The Circle

Au weia… Was für eine Frechheit, diesen Schrott in einem Atemzug mit Huxley und Orwell zu nennen! In Dave Eggers‘ „The Circle“ begleiten wir Mae Holland, eine junge Frau, die einen absoluten Traumjob im Circle (DAS Traumunternehmen) bekommt. Dort darf sie Kundenanfragen beantworten, und das macht sie auf geradezu unglaublich grandiose Weise – sie scheint ein wahres Naturtalent zu sein. Äh. Ja, genau. Sie sucht aus einem Q&A-Formular die passende Antwort zu Kundenanfragen und formuliert diese um, damit sie „menschlich“ klingen. Wahnsinn. Wie gesagt: Ein echter Traumjob.

Diese unreflektierte und kritiklose Mae, die mir schon nach wenigen Seiten tierisch auf den Keks ging, hält sich auf jeden Fall ob ihres Jobs für ein absolutes Glückskind. Gleichzeitig lässt sie sich ständig von ihren Vorgesetzten vorführen und rechtfertigt und entschuldigt sich in einer Tour dafür, dass sie nicht jede Sekunde ihrer Freizeit medienwirksam im Netz dokumentiert. Auf mich wirkt sie unglaublich hohl. Na ja. Sie ist gleichzeitig sehr flach. Da bleibt nicht viel Platz für Hohlräume. So jemanden zu erschaffen, ist schon eine Kunst für sich. Dazu möchte ich Dave Eggers dann doch gratulieren.

Immerhin konnte mir bei der Lektüre eine wichtige Erkenntnis noch einmal verdeutlicht werden: Mae wird von ihren Vorgesetzten und ihrer Umwelt dazu angehalten, wirklich alles öffentlich zu dokumentieren, was sie so treibt. Und möglichst viel von dem zu kommentieren, was ihre Umwelt so treibt. „Du magst Kayaks? Wieso schreibst du nichts darüber?“ Oder: „Dein Vater leidet unter MS? Die Community hat ein Recht, mehr darüber zu erfahren!“ Mae fügt sich und beginnt damit, ihr komplettes Leben öffentlich auszubreiten.

Durch dieses Verhalten bekommt sie mehr Relevanz, ausgedrückt in einem hohen Ranking auf so einer Circle internen Aktivitätsskala (an deren Bezeichnung ich mich gerade nicht erinnern kann). Tatsächlich bekommt sie bzw. ihr Leben durch dieses Verhalten immer weniger Relevanz – zumindest für mich. Es ist nicht möglich, durch Masse Bedeutung zu erzeugen. Denn wenn plötzlich alles wichtig ist, ist am Ende gar nichts mehr wichtig. Diese Erkenntnis ist mir nicht neu. Aber Dank Eggers und seiner für mich immer noch langweiliger werdenden Protagonistin (hätte ich nicht für möglich gehalten) ist sie für mich noch einmal um einiges klarer geworden.

Ich habe schließlich nicht bis zum Ende durchgehalten. Laut Kindle habe ich aber immerhin 66% geschafft (Asche auf mein Haupt). Wer weiß, ob die gute Mae am Ende doch noch eine Wandlung durchmacht – es ist mir egal. Noch ein Kritikpunkt: Ich habe „The Circle“ auf englisch gelesen. Die miese und einfallslose Sprache kann also nicht einer schlechten Übersetzung zur Last gelegt werden. Vermutlich hat es Eggers einfach nicht drauf. Fazit: Bitte nicht lesen. Reine Zeitverschwendung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.