Schlagwort-Archive: Vollidioten

Die Vollidioten

„An einem Samstagabend im Jahre 1972 im Frankfurter Nordend, im Umkreis der Gastwirtschaft Mentz, passiert es: Herr Jackopp verliebt sich in Frl. Czernatzke.“ Sieben Tage lang dokumentiert der Ich-Erzähler die Vorkommnisse rund um eben dieses Ereignis. Im Grunde dokumentiert er damit: Gar nichts. Es passiert nämlich nichts. Egal! Ich konnte das Buch einfach nicht weglegen. Ich habe in der Straßenbahn mehrfach verwunderte Blicke geerntet (Spießer), weil ich mich ständig kaputtgelacht habe.

Während besagter sieben Tage durfte ich die Protagonisten auf ihren Streifzügen und Kneipentouren durch das Frankfurter Nordend begleiten und bei der Gelegenheit kennenlernen. Sie sind allesamt nicht gerade das, was ich Identifikationsfiguren nennen würde. Ich konnte trotzdem jeden Einzelnen von ihnen gut leiden. Den verliebten Herrn Jackopp, der sich für Frl. Czernatzke zum Affen macht, Herrn Kloßen, bei dem ich nach und nach den Überblick über seine Schulden und die Rückzahlungsversprechen verloren habe (im Gegensatz zu ihm), Herrn Domingo, der sich darauf spezialisiert hat, von seiner Wohnung aus das treibende Straßenleben zu beobachten…

Die Vollidioten von Eckhard Henscheid ist neu aufgelegt worden und mir letztens ganz zufällig in die Hände gefallen. Es gibt in der Neuauflage ein (neues) Nachwort des Autors und es wurden wohl einige Fehler korrigiert. Ich konnte schon im Buchladen nicht aufhören zu lesen und musste es einfach kaufen. Es war vor allem der Schreibstil, der mich angezogen hat. Vermutlich ist das auch alles, was am Ende bleibt. Wer eine richtige Geschichte erwartet, könnte von den Vollidioten enttäuscht werden. Ich kann nur sagen: Absolut empfehlenswert. Lesebefehl. Ich werde mir mehr von Henscheid kaufen.