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Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert

Trixi von Bülow "Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert"
Trixi von Bülow „Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert“

Der Buchtitel und ein vielversprechender Anfang haben meine Kaufentscheidung beeinflusst. Im Prolog von „Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert“ sitzt die Ich-Erzählerin, Friederike Berger, mit ihrer Freundin Johanna am Meer. Sie spürt mit großer Erleichterung, dass endlich einmal Stille in ihrem Kopf herrscht – und beschreibt damit einen Zustand, den ich mir selbst oft herbeiwünsche. In der Retrospektive erfahren wir, was denn alles dazu geführt hat, dass „Fritzi“ diese Auszeit am Meer benötigt. Und danach was im Anschluss daran passiert.

Ich habe schon während der ersten 60 Seiten eifrig Leseempfehlungen ausgesprochen, weil ich begeistert war und mich festgelesen hatte. Im Laufe der Lektüre ging meine Begeisterungskurve allerdings steil nach unten. Trixi von Bülow hat durchaus gute Momente. Sie hat einen guten Stil – allerdings nur zeitweise. Die Geschichte ist ansprechend und hat mich berührt – allerdings nur am Anfang. Und zwischendrin noch ein zwei Mal ganz kurz. Der Rest hätte auch in einem Romanheftchen vom Bahnhof stehen können.

Ebenso ging es mir mit Fritzi. Hin und wieder fand ich sie toll. 40 Jahre alt, geschieden, eine Tochter, gute Freunde. Eigentlich ganz selbstbewusst im Job – sie ist Lektorin – aber immer wieder völlig verunsichert von den normalen Dingen des Alltags. Das fand ich sympathisch. Eine Identifikationsfläche. Bis sie mit ihren 40 Jahren auf so einen 29-jährigen Surflehrer hereinfällt, der alles flachlegt, was nur lange genug stillhält. Wobei: Sie fällt mehr auf sich selbst und ihre Phantasie herein, denn der Typ macht ihr eigentlich keine großen Hoffnungen. Also: Ganz nüchtern und nicht verliebt von außen betrachtet zumindest war die Sache völlig klar. Wie auch immer. Sie benimmt sich wie eine 15-jährige und der Junge bricht ihr das Herz.

Nach dieser gescheiterten Affäre stürzt sie sich in die nächste Beziehung, die ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist. Diesmal mit einem 64-jährigen mehr väterlichen Typ. An dieser Stelle bekommen wir Leser für meinen Geschmack viel zu viele Informationen über den Einsatz von Viagra und Ähnlichem. Das sollte die Geschichte wohl humoristisch auflockern, hat mich aber nur genervt. Ich habe tapfer weitergelesen bis schließlich das kam, was kommen musste: Fritzis Erkenntnis. Die Erkenntnis dessen, was eigentlich wichtig ist im Leben und was man alles loslassen kann und wer für das eigene Glück verantwortlich ist und wie man sein Leben führen kann, um unabhängig, sich selbst treu und froh zu sein (und zu bleiben). Und dass man Männern nicht hinterherlaufen soll. Und an der Stelle, an der Fritzi dann alles loslässt und alles beherzigt, was sie erkannt hat, stellt sich was von ganz alleine ein? Na? Richtig geraten! Das Glück. In Form eines Mannes. Natürlich.

In meiner eigenen Retrospektive kann ich nur schwer verstehen, wie ich anfänglich so begeistert sein konnte von einem Roman, der sich am Ende als seichte Frauenliteratur (sorry) mit extrem schwachem weil heftig an den Haaren herbeigezerrtem Happy End entpuppt hat (für das sich die Autorin im Nachwort auch noch rechtfertigt). Eine Leseempfehlung kann ich nicht mehr aussprechen.

Die Dilettanten

Ich hab nicht lange durchgehalten. „Die Dilettanten“ von Michael Hingston ist so dilettantisch geschrieben, dass ich es nach wenigen Kapiteln weggelegt habe. Der Klappentext klang ganz gut, die Geschichte interessant: Eine Studentenzeitung wird durch die Einführung einer Gratiszeitung bedroht. Ich hab vermutet, dass es um die nicht aufhaltbaren Veränderung der Medienwelt geht, die Entwicklung von (Medien-)Konsumenten zu Prosumenten und so weiter. Vielleicht geht es auch genau darum. Aber das werde ich wohl niemals herausfinden.

Der Schreibstil ging mir tierisch auf den Keks. Der Autor schien mit jedem Satz auf der Jagd nach einem Like, Fav oder einer anderen Zustimmungsbekundung zu sein. Ich hätte ihm kein Like oder Fav gegeben. Und auch keine andere Zustimmungsbekundung. Vielleicht bin ich einfach zu alt für das Buch. Aber damit kann ich leben. Wenn jung sein heißt, dass ich meine Zeit mit Dilettanten verbringen muss, dann bin ich lieber alt.

Mein Fazit: Leider nein, leider gar nicht. Nicht lesenswert.

Für den Rest des Lebens

Es ist elf Jahre her, dass ich den Roman „Liebesleben“ von Zeruya Shalev gelesen habe. Damals wurde ich angefixt. Und in den kommenden Jahren nicht enttäuscht: „Mann und Frau“ und „Späte Familie“ habe ich genau so gern gelesen. Der atemlose Stil, das Fehlen von direkter Rede und die nüchterne Sprache – das hat sie drauf.

„Für den Rest des Lebens“ liest sich nicht ganz so gut wie die drei Vorgänger. Ich habe im Februar mit dem Lesen begonnen und das Buch immer wieder weggelegt. Beenden wollte ich es aber unbedingt. Es geht um eine Familie. Ja. Und das war es auch schon, was ich über die Geschichte sagen kann.

Jetzt bleibe ich ein wenig enttäuscht zurück. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mit keinem der Protagonisten identifizieren konnte. Vielleicht waren es mir auch einfach zu viele Protagonisten, deren unterschiedliche Geschichten mich nicht sonderlich interessiert haben. Vielleicht hat auch das häufige Weglegen des Buchs dazu geführt, dass ich nicht richtig in die Geschichte reingekommen bin. In meinem Kopf sind nur Fragmente enthalten, die sich nicht richtig zusammensetzen lassen.

Fazit: sollte Zeruya Shalev noch einen Roman veröffentlichen, werde ich wieder ohne zu zögern zuschlagen. „Für den Rest des Lebens“ finde ich aber nicht empfehlenswert.

Mitgenommen

Herr Grünberg, ich quäle mich!!! Ich habe vor über einer Woche angefangen, „Mitgenommen“ von Arnon Grünberg zu lesen. Inzwischen bin ich (erst) auf Seite 365 von ca. 740 angelangt – und ich kann nicht mehr. Die Geschichte geht mir total auf den Keks, genauso wie der Protagonist. Alles was er tut halte ich für absolut bescheuert…

Zwischendurch entgeht mir nicht, dass die Charakterisierung des Majors (seineszeichens eben jener Protagonist) ziemlich gut gelungen ist. Keine Frage. Sein alle Gefühle überlagernder blinder Autoritätsglaube, der sein Leben in geregelten Bahnen hält, wird mit einer einzigen nicht regelkonformen Entscheidung erschüttert: er nimmt ein fremdes Kind bei sich auf, nachdem er bzw. sein Trupp dessen Eltern ermordet hat. Das Kind schenkt er seiner Frau, die er selbst nicht schwängern kann.

Klingt ja ganz gut, fesselt mich aber nicht. Ich habe keine Lust, meine Zeit mit dem Major zu verbringen. Mich interessiert nicht, wie die Geschichte weitergeht und ich habe die ganze Zeit die Hoffnung, dass sein Auto das nächste im Konvoi ist, das auf eine Mine fährt… Da ich noch über die Hälfte der Geschichte vor mir habe, wird dieser fromme Wunsch wohl nicht erfüllt.

Ich habe heute beschlossen, das Buch wegzulegen und nicht zu Ende zu lesen. Zum Glück habe ich schon Nachschub. Dazu später mehr.

Fazit (Achtung: Kalauer-Alarm!): Mich hat Arnon Grünberg mit seinem Roman nicht mitgenommen.

Atmen … Jemand muss atmen!

„Atmen. Jemand muss atmen. Und ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt. Jeden Tag mache ich weiter und beginne wieder von vorn. Aller Hoffnungslosigkeit zum Trotz. Ich weiß nicht, wovon andere Menschen träumen. Doch in meinen Träumen bewege ich mich stets durch ein dunkles, kaltes All.“ – Einmal mehr bin ich auf den Klappentext reingefallen. Ich sollte mir wieder angewöhnen, zumindest ein oder zwei Passagen zu lesen, bevor ich ein Buch zur Kasse schleppe. „Atmen … Jemand muss atmen!“ von Stefan Kalbers hätte ich im Regal stehen lassen sollen.

Ich habe einen ziemlich ekelhaften Typen – den Protagonisten – durch ein paar ätzende Tage seines beschissenen Lebens begleitet und war am Ende ganz schön genervt von ihm. Der Typ geht einfach gar nicht. Darum kann ich auch schwer nachvollziehen, was die schöne, rothaarige Yvonne an ihm gefunden hat. Ein weiterer Roadtrip (wieso fallen mir denn in letzter Zeit immer ausgerechnet solche Geschichten in die Hände?), der mich nicht fesseln konnte, den ich aber mangels Alternative bis zum Ende verfolgt habe.

Fazit: Stefan Kalbers hat mir nicht den Atem verschlagen. Seinen Roman kann ich nicht weiterempfehlen.

Bis gestern war ich harmlos

Die Signale zum Kauf des Romans „Bis gestern war ich harmlos“ von Andreas Kurz waren der Preis (EUR 4,95) und der Klappentext: „‚Ein Schrebergarten ist ein Hobby, Seidenmalerei und Bergsteigen sind Hobbys, meine Filmerei aber war viel mehr. Es war meine Art, mich der Welt zu stellen. Nämlich mit einer Kamera dazwischen.‘ Bobo ist noch jung und naiv, als er von seinen Freunden überredet wird, für deren Pornodreh als Kameramann zu fungieren.“

Klingt gut. Ist es aber nicht. Tatsächlich ist das „rasante Roadmovie voller Witz und Melancholie“ fad. Es gibt keine Überraschungen, keine unvorhersehbaren Wendungen. Das Buch kann noch nicht einmal sein kleinstes Versprechen halten: Die Filmerei, als Bobos „Art, sich der Welt zu stellen“ ist am Ende doch nur ein Hobby und die Geschichte mit dem Pornodreh auf ein paar Seiten abgehandelt. Dabei wäre das doch mal was richtig Neues gewesen.

Ich hatte während des Lesens das Gefühl, dass ich die Geschichte schon mal irgendwo mit anderen Protagonisten gehört / gesehen / gelesen habe. Ich will dem Autor hier kein Plagiat unterstellen sondern lediglich sagen, dass der Stoff ausgelutscht ist. Nachdem ich jetzt noch ein Porträt des Autors gesehen habe, bin ich vollends davon überzeugt, dass der Roman Schrott ist: einem 16-Jährigen hätte ich das als Erstlingswerk durchgehen lassen und gespannt auf den nächsten Erguss gewartet. Von einem erwachsenen Mann hätte ich mehr erwartet. Zumal der Roman nicht im Regal mit der Jugendliteratur zu finden ist.

Fazit: Andreas Kurz ist absolut harmlos, sein Roman absolut nicht lesenswert.