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Nele Neuhaus

Ich hab sie jetzt komplett durch, die Krimireihe um die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff aus der Feder von Nele Neuhaus: „Eine unbeliebte Frau“. „Mordsfreunde“. „Tiefe Wunden“. „Schneewittchen muss sterben“. „Wer wind sät“. „Böser Wolf“. Und schließlich auch den neuesten Fall: „Die Lebenden und die Toten“. Mehr gibt’s noch nicht. Sollte es einen nächsten Fall für die beiden geben, werde ich den vermutlich auch lesen. Und ich habe keine vernünftige Ausrede dafür – denn so richtig toll finde ich die Geschichten und die Personen nicht. Im Gegenteil: Häufig war ich ganz schön genervt.

Es wird unglaublich viel gestorben im Taunus. Pro Fall ca. sechs Leute. Immer wieder wird was amputiert (Hoden, Hände, …). Es sind immer die ganz heißen Eisen, die direkt in großem Stil angepackt werden: Nicht ein Altnazi, sondern gleich eine ganze Nazidynastie treibt ihr Unwesen. Nicht Kindesmissbrauch, sondern ein ganzer Kinderschänderring wird aufgedeckt. Im neuesten Fall ist es dann die Organspendemafia… Ein einfacher Mord reicht nie. Dazu wird die Moralkeule geschwungen. Und (das ist mit am nervigsten): Es wird unendlich viel genickt. „Bodenstein nickte.“ „Pia nickte.“ „Bodenstein nickte.“ „Alle nickten.“ „Pia nickte.“ Diese Sätze fügt Frau Neuhaus vermutlich mit Hilfe von Tatstaturkürzeln in ihre Romane ein. Bis zum Abnicken. Äh, Abwinken. Ich frage mich gerade, ob ich die einzige bin, der das bisher negativ aufgefallen ist…

Vermutlich geht es mir bei den Fällen von Bodenstein und Kirchhoff wie mit dem Tatort. Den schaue ich jeden Sonntag – und das, obwohl ich häufig enttäuscht werde und gar nicht alle Ermittler mag. Wenn mir jemand eine Verabredung für Sonntagabend vorschlägt, werde ich ganz kribbelig und kann die nicht zusagen. Sonntagabend ist halt Tatort-Zeit. Und ganz egal, wie langweilig oder an den Haaren herbeigezogen eine Geschichte ist: Ich schaue mir jede Folge bis zum bitteren Ende an.

Bodenstein und Kirchhoff sind für mich offenbar zu einem dieser Tatort-Ermittlerduos avanciert, die ich zwar nicht sonderlich mag und die auch nie die interessanten Fälle lösen, die aber zwischen den richtig guten Tatorten die Zeit vertreiben. Und damit auch irgendwie ihre Daseinsberechtigung haben. Vielleicht hat Frau Neuhaus das selbst verstanden und ihrem Ermittlerteam im neuesten Fall deshalb einen nervigen Assistenten an die Seite gestellt. Ist beim Tatort ja auch gerade in Mode gekommen. Ich kann jetzt weder eine Empfehlung für die Lektüre aussprechen (Mia nickte.) noch von ihr abraten (Mia schüttelte den Kopf.). Entscheidet selbst.

Unter Haien

Wie schon so oft wollte ich auch diesmal zunächst fragen: „Was bitte hat der Lektor genommen? Und wo kriegen wir das?“ Aber die Fragen sind überflüssig. Der arme Mensch hat vermutlich nach 80 (von 672) Seiten aufgegeben. „Nele, da musst du noch mal ran. Andere Story, anderer Stil.“ – „Du meinst: Was anderes?“ – „Äh… Ja. Was GANZ anderes.“ Blöderweise wurde dann doch der Ursprungstext verlegt – und der gelangte in meine Hände. Verdammte Scheiße. Frau Neuhaus, ich kann mir einfach nicht erklären, was da passiert ist.

Zum Inhalt: Alex Sontheim sieht FANTASTISCH aus. Sie verdreht nahezu jedem Mann, dem sie begegnet, den Kopf. Sie ist hoch intelligent. Sie ist reich. Sie ist erfolgreich. Sie hat es von Deutschland nach New York geschafft. Und dort schwimmt sie nun mit den anderen Finanzhaien im Haifischbecken der Finanzwelt. Sie freundet sich mit dem Bürgermeister von New York an, dem sie später das Leben rettet. Sie lernt sogar den amerikanischen Präsidenten von Amerika kennen, der – natürlich – schon von ihr gehört hat.

In diese zauberhafte Rosamunde-Pilcher-Welt mischt sich dann die böse Mafia – in Form von Sergio Vitali. Er sieht FANTASTISCH aus. Er verdreht nahezu jeder Frau, der er begegnet, den Kopf. Er ist total gerissen. Er ist stinkreich. Er hat es an die Spitze der Mafia geschafft und kontrolliert von dort skrupellos die Politik, den Drogenhandel und die Finanzwelt. Dieser Mann passt hervorragend zur hochintelligenten (ich muss das noch mal betonen), toughen und erfolgreichen Alex. Nicht wahr? Nein, denn sie ist ja hochintelligent. Und rechtschaffen. Da lässt man sich nicht mit der Mafia ein. Wie auch immer. Die beiden kommen zusammen.

Sergio umwirbt Alex machohaft, betrügt sie mit irgendwelchen Models (und seine Ehefrau mit ihr). Irgendwann erfährt Alex, dass Sergio jemanden hat umbringen lassen. Sie ist völlig außer sich – und bleibt bei ihm. Sie wird von ihm vergewaltigt – und bleibt bei ihm. Sie findet heraus, dass sie von ihrem Arbeitgeber schamlos ausgenutzt und ihre Erfolge für illegale Geschäfte missbraucht werden – und arbeitet weiter dort. Aber sie ist ja so wahnsinnig schlau. Und tough. Und erfolgreich. Und beliebt. Und überhaupt… Die Story nimmt eine Milliarde an den Haaren herbeigezogene Wendungen und wird immer bescheuerter. Alex auch.

Alle paar Seiten gelangt sie zu den gleichen Erkenntnissen: Vielleicht ist Sergio doch nicht so vertrauenswürdig, wie sie dachte (NEIN! Ist er nicht, du dumme Nuss! Er hat jemanden umbringen lasssen!). Vielleicht geht ihr Chef illegalen Geschäften nach (JA! Das hat er dich doch schon längst wissen lassen, als er dir diesen illegalen Bonus angeboten hat!!!). Vielleicht ist Sergio ja doch kriminell. (Äh… WTF? …!) Vielleicht nutzt ihr Chef die Infos, die sie ihm gibt, für illegalen Insider-Handel (Du Trottel hast ihm doch selbst ’ne Falle gestellt um das rauszufinden!!!).

Wie gesagt: Ich hab keine Ahnung, was da passiert ist. Ich weiß nur, was da nicht passiert ist: Recherche, Lektorat, Entwicklung einer sinnvollen Storyline, Entwicklung von glaubwürdigen Charakteren, … Da auf dem Umschlag „Kriminalroman“ und nicht Wirtschaftssatire“ steht, muss ich davon ausgehen, dass das Ganze ernst gemeint ist. Darum kann mein Fazit nur lauten: Nicht lesen. Nicht kaufen. Wenn der Tipp zu spät kommt: Unbedingt wegschmeißen. Bitte auch nicht in diese öffentlichen Büchertauschregale stellen. Auf keinen Fall.

Mordsfreunde

Weil mir mitten in „Unter Haien“ mein Kindle gestohlen worden ist, wollte ich erst mal mit einem anderen Krimi von Nele Neuhaus weitermachen. Nennt mich naiv: Insgeheim hoffe ich vermutlich darauf, dass ich mein Eigentum zurückbekomme und nahtlos weiterlesen kann. Vermutlich werde ich „Unter Haien“ niemals beenden… „Mordsfreunde“ ist der zweite Fall für Kirchhoff und Bodenstein. Nachdem die Kommissare bei „Eine unbeliebte Frau“ viel Zeit auf einem Luxusreiterhof verbringen, verschlägt es sie mit ihrem neuen Fall in den Zoo. Im Heu für die Elefanten wird eine abgetrennte menschliche Hand gefunden. Die ist Auslöser für umfangreiche Ermittlungen in einem Mordfall.

Der zur Hand passende Körper wird auf mehrere Gehege im Zoo verteilt gefunden und zusammengesetzt, bis schließlich der charismatische Lehrer Hans-Ulrich Pauly entsteht. Beziehungsweise seine Leiche. Pauly war engagierter Umweltschützer, von seinen Schülern und Mitstreitern glühend verehrt und von seinen Feinden abgrundtief gehasst. Mordmotive gibt es in ausreichender Zahl. Bodenstein und Kirchhoff ermitteln mit der ihnen eigenen Sorgfältigkeit und Ruhe, aber auch einer guten Portion Intuition. Das finde ich ganz sympathisch, zumal beide sehr unterschiedliche Charaktere sind und ihr Bauchgefühl eher selten übereinstimmt.

In ihrem Aufbau ähnelt die Geschichte stark dem ersten Fall: Es tauchen ständig neue Verdächtige auf, die nach kurzer Zeit wieder entlastet werden. Ich kam gar nicht richtig mit und habe irgendwann fast den Überblick verloren bei den ganzen Namen. Wie so oft, wenn ich Krimis lese, fällt mir auch hier eine Zusammenfassung schwer. Ich muss das mal untersuchen lassen – warum behalte ich nichts von dem, was ich gelesen habe, obwohl ich so großen Spaß beim Lesen habe? Kann in diesem Fall aber auch an der unübersichtlichen Personage liegen, weiß ich nicht.

Sehr gut im Gedächtnis geblieben sind mir allerdings die Schnitzer, die ein Lektor hätte ausbügeln müssen. Ich alte Erbsenzählerin. So was bleibt hervorragend bei mir hängen. Ich hatte schon beim ersten Fall erwähnt, dass der Lektor ein paar Mal gepennt hat, habe aber gehofft, dass nach dem Erfolg ab dem zweiten Fall Schluss damit ist. Weit gefehlt. Tatsächlich lese ich zurzeit schon den dritten Fall und kann versprechen: Es wird sogar noch schlimmer mit den Fehlern.

Um mal ein Beispiel zu nennen: Zu Beginn wird Lehrer Pauly charakterisiert als eine Art Fortschrittsverweigerer, der noch nicht einmal ein Handy hat. Als die Kommissare dann an Paulys Schule auftauchen, um den Kollegen mitzuteilen, dass Pauly tot ist, erfahren sie, dass der Lehrer unentschuldigt fehle und noch nicht einmal auf seinem Handy erreichbar gewesen sei. Ebenfalls schwierig: Nachdem die Hand gefunden wurde, wird gleich ein Mordfall aufgemacht und nach einer Leiche gesucht. Tatsächlich kann ein Mensch auch ohne Hand ganz gut weiterleben. Ein Gerichtsmediziner müsste doch erst mal feststellen, ob die Hand post mortem abgetrennt wurde.

Whatever. Das alles hat mich zwar gestört, aber offenbar nicht so sehr, dass ich die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff aufgegeben habe. Wie bereits erwähnt lese ich zurzeit den dritten Fall der beiden. Der allerdings könnte eine Wende bedeuten. Denn – wie ebenfalls bereits erwähnt – hier gibt es noch mehr Fehler. Und ich bin erst bei der Hälfte angelangt. Für „Mordsfreunde“ kann ich trotz meiner Meckerei eine Leseempfehlung aussprechen.

Eine unbeliebte Frau

Ich habe Nele Neuhaus gestern Vormittag in einer Literatursendung gesehen und fand sie sympathisch. Und während sie im Interview von der Protagonistin ihrer Krimis erzählte überlegte ich, warum ich die nicht kannte. So kam ich zu Pia Kirchhoff. Und zu ihrem Kollegen Oliver von Bodenstein. „Eine unbeliebte Frau“ ist der erste Fall, den die beiden gemeinsam lösen.

Die unbeliebte Frau ist Isabel Kerstner, Ehefrau eines Pferdetierarztes. Ihr Tod soll wie ein Selbstmord aussehen. Das tut er aber nicht. Kirchhoff und von Bodenstein erkennen schnell, dass der Frau gewaltsam ein Ende gesetzt wurde. Verdächtige gibt es dann auch jede Menge – denn die schöne Isabel war eine unbeliebte Frau. Geldgeil, skrupellos und egoistisch, immer auf das eigene Wohl bedacht, hat sie es sich mit vielen Menschen in ihrer Umgebung verscherzt.

Kirchhoff und Bodenstein ermitteln unaufgeregt und sorgfältig. Ich finde schön, wie vorsichtig und unaufdringlich Frau Neuhaus mich mit dem Privatleben der beiden konfrontiert. An einigen Stellen hat wohl der Lektor gepennt. Das hat mich jetzt aber nicht weiter gestört. Ich war sehr überrascht, als der Fall nach noch nicht einmal 4 Stunden Lesezeit schon aufgeklärt war. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich will auch gar nicht so viel darüber schreiben sondern lieber den nächsten Fall lesen.

Mein Fazit: Ein guter Zeitvertreib. Durchaus lesenswert.