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Unterm Scheffel

Irgendwie habe ich es verpasst: „Unterm Scheffel“ von Maarten ‚t Hart kam schon im August vergangenen Jahres raus. Ich habe es erst letzte Woche entdeckt und natürlich sofort gekauft. Maarten ‚t Hart ist nun einmal einer meiner Lieblingsautoren.

In „Unterm Scheffel“ habe ich Alexander Goudveyl eine Weile begleiten dürfen. Er ist ein mittelmäßiger aber einigermaßen erfolgreicher Komponist, verheiratet, keine Kinder. Auf einem seiner Konzerte lernt er eine junge Frau kennen, die ihn fasziniert. Sie wiederum scheint schon lange in ihn verliebt zu sein. Sie hat ihn studiert, regelrecht verfolgt und ein Treffen mit ihm forciert. Die beiden lernen sich kennen und er verliebt sich in sie. Und das ist der Anfang vom Ende. Goudveyl verfällt dieser Frau, die sich, je näher er ihr kommen möchte, immer mehr von ihm distanziert.

Ich fand den Roman während des Lesens nur „geht so“. Vor allem, weil mir die Protagonisten so unsympathisch waren. Außerdem konnte ich Goudeyl einfach nicht verstehen: ich hatte immer das Bedürfnis, ihn mal ordentlich durchzuschütteln und ihm den Kopf zu waschen. Einem erwachsenen Mann wollte ich dieses selbstzerstörerische Verhalten einfach nicht abnehmen. Er lässt sich sowohl von seiner neuen Affaire als auch von seiner Ehefrau auf der Nase herumtanzen. Er legt allen Selbstschutz ab ud macht sich zum Affen für zwei Frauen, von denen er nichts zurückbekommt. Im Nachhinein stelle ich allerdings fest, dass mich das Buch sehr wohl bewegt hat.

Maarten ‚t Hart beweist einmal mehr, was für ein guter Beobachter er ist, indem er genau den Moment einfängt – und beschreibt – in dem der Protagonist den Absprung verpasst. Den Wendepunkt eben. Bis zu diesem Moment hatte Goudveyl es noch in der Hand, danach gibt es kein zurück mehr. Und am Ende gibt es zwei Frauen, unter deren Scheffel er steht.

Mein Fazit: Guter Roman, lesenswert, reicht aber bei Weitem nicht an die Vorgänger heran. Wer noch warten kann, sollte das tun: Anfang Oktober erscheint die Taschenbuchausgabe.

Nur eine Ohrfeige

Endlich: ein gutes Buch! „Nur eine Ohrfeige“ von Christos Tsiolkas habe ich echt gern gelesen. Die Geschichte beginnt mit einer Grillparty, auf der ein dreijähriger Junge – Hugo – von einem Erwachsenen geohrfeigt wird. Was dann passiert, wird episodisch aus acht verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Nicht falsch verstehen: es wird nicht ein und dieselbe Geschichte acht Mal erzählt. Die Geschichte läuft weiter, sie wird sozusagen wie ein Staffelstab übergeben.

Ich habe acht verschiedene Personen kennengelernt, die alle ihre Sonnen- und Schattenseiten haben. Das ist es wohl auch, was mir so gut gefallen hat: Tsiolkas hat Figuren geschaffen, die echte Menschen sind. Nicht gut oder böse. Einfach echt.

Wer das Buch aufgrund des Klappentextes kauft, wird enttäuscht sein (wer schreibt diese irreführenden Texte?). Das Versprechen „Eine Tat, die alles auf den Kopf stellt. […] Dieser Vorfall hat ein folgenreiches Nachspiel für alle, die seine Zeugen wurden.“ wird nicht gehalten. Die Ohrfeige stellt keinen großen Wendepunkt in den verschiedenen Leben dar. Sie ist lediglich der Erzählanlass für den Autoren und bietet die perfekte Möglichkeit, zu polarisieren. Sowohl zwischen den Protagonisten des Buches als auch zwischen dessen Lesern. Ich hätte das Buch auch ohne die Ohrfeige gern gelesen. Wobei ich mich jetzt frage, wie der Titel dann gelautet hätte?

Fazit: Gutes Buch, lesenswert. Mit EUR 24,95 sehr teuer. Die Taschenbuchausgabe wird vermutlich erst Anfang 2013 kommen.

Storytelling

„Storytelling. Das Praxisbuch“ von Karolina Frenzel, Michael Müller und Hermann Sottong. Wer von Grund auf lernen möchte, wie man eine Geschichte aufbaut, schafft das mit diesem Buch. Ich fand es wirklich gut. Die Technik ist mir ebenso klar geworden wie Sinn, Zweck und Ziele des Storytelling.

Man könnte jetzt kritisch anmerken, dass sich die Autoren selbst bei diesem Buch nicht an die Regeln des Storytelling halten und eher dozieren als erzählen. Ich finde das aber sehr angenehm weil glaubwürdig. Das Buch ist 250 Seiten lang. Diese Seiten komplett mit einer Geschichte über das Storytelling zu füllen halte ich für schwierig. Ich glaube, damit wären mir die Autoren auch auf den Keks gegangen.

Stattdessen gibt es gute Beispiele (davon weder zu viele noch zu wenige), praktische Checklisten, Anleitungen und Übungen für den Selbstversuch und eine Hand voll hilfreiche Grafiken. Letzteres finde ich besonders bemerkenswert. Ich bin kein visueller Mensch – mir fällt es schwer, Grafiken zu lesen und zu verstehen. Das war hier mal anders.

Also: Ich kann das Buch empfehlen.