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Gelesen im Mai 2017

1) „Das Dorf der Lügen“ von Barbara Wendelken

Der erste Martinsfehn-Krimi um das Duo Nola van Heeren und Renke Nordmann. Die Story war lame und konstruiert, die Ermittler gingen mir auf den Sack – erwachsene Menschen, die nicht dazu in der Lage sind, einen normalen Dialog miteinander zu führen, zwischen denen es aber unsagbar kribbelt … In mir kribbelte es auch ständig, ich wollte die beiden mit den Köpfen aneinanderknallen. Trotzdem habe ich nicht nur bis zum Ende durchgehalten, sondern die beiden auch gleich bei ihrem zweiten Fall begleitet. Ja, ich weiß.

2) „Im Grab schaust du nach oben“ von Jörg Maurer

Über ein Jahr habe ich auf den neuen Jennerwein gewartet – und ihn dann in einem Rutsch durchgelesen. Ich hab keine Minute bereut, im Gegenteil: Ich hätte langsamer lesen sollen. Maurer schafft es immer wieder, mich richtig zum Lachen zu bringen. Im Gegensatz zum Münsteraner Tatort geht das aber nicht auf Kosten der Handlung. Denn die ist hier geballt. Im schönen Kurort findet der G7-Gipfel statt, Globalisierungsgegner campen auf den Weiden und demonstrieren, während einer wirklich schönen Beerdigung wird höchster Alarm bei den amerikanischen Geheimdiensten ausgelöst, weil der siebte Böllerschuss ein Rohrkrepierer ist, und gegen Ende müssen wir uns von einem liebgewonnenen Charakter verabschieden. Eventuell sogar für immer. Großartig. Ich zähle schon die Tage bis nächstes Jahr!

3) „Nullzeit“ von Juli Zeh

Ich hatte ja angekündigt, dass Frau Zeh auf meinem Nachttisch liegt und gelesen werden möchte. Nullzeit ist eine sehr gut aufgebaute Geschichte um eine intrigante Person, die einen perfiden Plan verfolgt. Um mal ein paar Adjektive einzustreuen. Eine feine Lektüre für zwischendurch, hat mich jetzt aber nicht so umgehauen wie „Spieltrieb“ oder „Unter Leuten“.

4) „Corpus Delicti“ von Juli Zeh

Weiter ging es mit Frau Zeh. Corpus Delicti ist ein Blick in die Zukunft – und eigentlich mag ich keine Science Fiction. Schon gar nicht, wenn sie so offensichtlich als Gesellschaftskritik daherkommt mit Überwachungsstaat und gläserner Mensch und was weiß ich nicht alles. Schon nach ein paar Seiten hatte ich den Drang, das Buch wieder zuzuklappen. Hab ich dann aber doch nicht gemacht. Zum Glück, denn Corpus Delicti hinterlässt mich schwer beeindruckt. Die Charaktere entwickelt Frau Zeh glaubhaft, die Tragik der einzelnen Biografien hat mich berührt und die Geschichte nimmt immer wieder für mich völlig unerwartete aber trotzdem nachvollziehbare Wendungen. Sehr empfehlenswert also.

5) „Hasenjagd“ von Lars Kepler

Der sechste Fall für Joona Linna hat mich gar nicht überzeugt. Im Gegenteil: ich war genervt. Der Hasenmann, der Menschen tötet … Einfach nur albern.

6) „Die stille Braut“ von Barbara Wendelken

Ich hab ja schon gesagt, dass ich mir auch den zweiten Martinsfehn-Krimi um van Heerden und Nordmann angetan habe. Tatsächlich war der auch schon besser als der Erste. Die Protagonisten gingen mir zwar weiterhin mit ihren bescheuerten Streits und Meinungsverschiedenheiten auf den Keks, aber die Handlung war sehr viel spannender und besser aufgebaut. An einem Badesee wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Zurechtgemacht wie eine Braut. Nachdem die Identität der Frau geklärt ist, geht es los: ich bin von einer Falle in die nächste getappt. Die Autorin legt Spuren, löst sie wieder auf und hat mich immer wieder auf falsche Fährten geführt. Die Auflösung hat mich dann auch überrascht. Band drei liegt schon bereit. Wenn die beiden Ermittler allerdings ernsthaft ein richtiges Paar werden – dann weiß ich auch nicht weiter.

7) „Fundbüro“ von Siegfried Lenz

Der Roman ist ein Plädoyer für Menschlichkeit und Warmherzigkeit, gegen das ewige Streben nach Erfolg und Aufstieg. Und das, ohne dabei polemisch oder sonstwie aufdringlich zu sein, mit einem ganz zarten Humor, der mich berührt hat. Ich durfte eine Handvoll sehr sympathischer Menschen eine zeitlang begleiten und habe jeden einzelnen von ihnen ins Herz geschlossen. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Fundbüro im Bahnhof, in dem unser Protagonist Henry Neff seine Arbeit aufnimmt. Er begegnet täglich Menschen, die etwas verloren haben, Menschen, die sich darüber freuen, den verlorenen Gegenstand zurückzubekommen, Menschen, die auf verrückte Art und Weise beweisen müssen, dass das Fundstück auch wirklich ihnen gehört. Und er findet Freundschaft, Loyalität und Solidarität. Am Ende hat das Wort „Verlierer“ eine ganz neue Bedeutung für mich bekommen. Schön.

8) „Schwesterherz“ von Kristina Ohlsson

Schwesterherz ist der erste Fall für Anwalt Martin Benner, ein schwedischer Thriller, der mich an eine amerikanische Detektiv-Story erinnert. Wir starten mit einem Interview: Benner sitzt einem Journalisten gegenüber, dem er eine heftige Geschichte erzählt, in die er von einem Klienten hineingezogen wurde. Benner soll die Unschuld von dessen Schwester Sara beweisen. Posthum, denn Sara hat sich das Leben genommen, nachdem sie nicht weniger als fünf Morde gestanden hat. Ich finde die Geschichte mit ihren Wendungen gut aufgebaut. Was mir nur echt auf den Keks ging, waren die ständigen Cliffhanger vor den Perspektivwechseln zwischen Interview und Ich-Erzählung, die wohl für eine gleichmäßige Spannungskurve sorgen sollen. Die Autorin bedient sich zum weiteren Spannungsaufbau zusätzlich der Holzhammermethode, indem sie zwischen Benner und dem Journalisten immer Dialoge wie: „Aber das ist ja schrecklich!“ – „Ja, aber es kommt noch viel schlimmer!“ oder: „Sie glauben, das war schon schlimm? Hah! Das war noch längst nicht alles! Warten Sie ab, was JETZT kommt!“ stattfinden lässt. Aber ansonsten schön kurzweilig. Ich denke, ich werde Benner auch bei seinem nächsten Fall begleiten.

9) „Federgrab“ von Samuel Bjork

Nach dem Hasenmann jetzt der Eulenmann … Das war echt zu viel für mich. Ähnlich wie Ohlsson braucht auch Bjork die Holzhammermethode, um mir klarzumachen, wie schrecklich brutal und grausam die Morde sind, denen ich in Federgrab beiwohnen darf. Dazu die beiden Ermittler, die sich seit ihrem letzten Auftritt in „Engelskalt“ null weiterentwickelt haben: Munch hat Kopfschmerzen, Mia säuft und nimmt Tabletten, die anderen bewundern die beiden, weil sie so großartige Ermittler sind (das weiß ich, weil der Autor es immer wieder – ganz subtil natürlich – einfließen lässt), niemand schläft … Nee. Das war nichts. Ach, fast vergessen: Trinkspiel-Alarm! Immer, wenn das Wort „abermals“ verwendet wird, könnte man einen Kurzen trinken – und stünde vermutlich nach ca. 40 Seiten am Rande einer heftigen Alkoholvergiftung.