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Der König von Berlin

„Horst Evers schreibt einen Krimi? Muss ich lesen!“ Erstaunlich, wie oft ich Bücher im Vertrauen darauf kaufe, dass „bei dem Autor auf jeden Fall was Gutes rauskommen MUSS!“ Ein Glück, dass ich bei „Der König von Berlin“ richtig lag. Ich hab nämlich sofort nach Erscheinen zugeschlagen. Dementsprechend die teure gebundene Ausgabe gekauft. Hat sich schon gelohnt irgendwie. Aber für so einen kurzen Zeitvertreib ist es schon richtig viel Geld.

Ich hab so eine Art Brenner erwartet. Aber der Brenner gehört nun mal dem Haas. Und das ist auch gut so. Horst Evers hat Hauptkommissar Carsten Lanner erfunden. Der Name erinnert mich an einen Tatort-Kommissar… Lanner jedenfalls ist gelernter Dorfsheriff, frisch von Cloppenburg nach Berlin versetzt. Niemand nimmt ihn ernst. Keiner hat vor ihm Respekt. Und er selbst bringt sich bei dem Versuch, sich Respekt zu verschaffen, in die blödesten Situationen. Der Klappentext beschreibt sein Bestreben als eine „anregende Mischung aus Minderwertigkeitskomplex und Größenwahn“, die ihn in immer neue Bredouillen bringt. Sehr treffend. Ich fand ihn ganz schön doof.

Der Krimi selbst – die Handlung – ist für mich nur ein Nebenschauplatz. Kann mich nur an Ratten erinnern, die Berlin erobern. Und zwei Leichen. Weiß gar nicht mehr, warum die zweite, die unter dem Sandkasten, überhaupt umgebracht wurde. Oder wer der Mörder der ersten war. Darum verliere ich darüber (wie so oft) an dieser Stelle keine Worte. Ich habe mich vielmehr über die guten Charaktere amüsiert und über den guten Schreibstil gefreut. Allein die Einführung der einzelnen Personen! Irre. Jeder hat seinen Platz in der Geschichte, jede Existenz ihren Grund. Und alle sind auf ihre Art gute Typen. Na ja, bis auf die Sekretärin und die beiden Söhne des Rattenkönigs. Die kamen mir ein wenig klischeehaft rüber. Aber gut, so ist das eben. Bisschen Schwund ist immer.

Fazit: lesenswert. Wer Horst Evers mag, sollte „Der König von Berlin“ unbedingt lesen. Alle anderen auch – aber vielleicht erst, wenn die Taschenbuchausgabe erscheint. Schöner Zeitvertreib, leichte Kost für zwischendurch. Bisschen teuer für das kurze Lesevergnügen.