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Sterben und sterben lassen

Achtung, Spoiler-Alarm: Ich glaub, das war der letzte Fall für Major Schäfer. Verdammt. Das ist dann aber auch der einzige Wermutstropfen. Ansonsten ist „Sterben und sterben lassen“ absolut lesenswert. Wenn man denn den Stil vom Georg Haderer und den Schäfer mit seinen Depressionen mag. Und ich mag beide.

Schäfer steigt auch gleich mit einem Wutanfall in die Geschichte ein: Irgendein Depp hat den Ehemann der Landrätin mit einem Wildschwein verwechselt und angeschossen. Der angeschossene verblutet am Unfallort – das kann Schäfer kaum aushalten. Hätte er schließlich selbst sein können. Schlecht gelaunt nimmt er die Ermittlungen auf.

Parallel dazu wird Bosch resozialisiert aus der Haft entlassen. Der hat 27 Jahre zuvor die kleine Susanna Paulus aus Schaching ermordet und übel zugerichtet. Und wo will er sich niederlassen? Ebenda. In Schaching. Die Bewohner empfinden das als einzige Provokation und verhalten sich dementsprechend provoziert.

Schäfer reicht es nicht, dort die Wogen zu glätten und da in Sachen Wildschweinverwechslung zu ermitteln. Er rollt den alten Fall Bosch noch einmal komplett auf und tritt auf seine gewohnte Art vielen auf die Füße. Nebenbei bringt er ein paar Jugendliche auf die rechte Bahn zurück, kommt der Marlene mal wieder etwas näher und wird ein paar mal ordentlich high.

Ich hab viel gelacht beim Lesen. Hier zum Beispiel: „Schäfer schlenderte durch den Garten, sah nach seinen Pflanzen, murmelte ihnen je nach Zustand Komplimente oder aufmunternde Parolen zu.“ Gleichzeitig ist mir nicht entgangen, wie schwer dem Schäfer das Leben fällt und wie sehr er mit sich kämpft. Das hat der Haderer wieder einmal hervorragend hingekriegt.

Ich werde den Major vermissen. Noch ein Spoiler: Schäfer stirbt am Ende nicht. Er hat einfach keinen Bock mehr auf die Polizeiarbeit. Das ist auch das einzige Ende, das ich bei ihm gelten lasse. Haderer hat somit die Chance, ihn irgendwann wiederzubeleben. Ansonsten hoffe ich, dass er sich einen neuen Helden ausdenkt. Ich bin jetzt schon mal Fan.