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Die Toten am Lyngbysee

Ein Serienmörder treibt sein Unwesen in Kopenhagen. Er hinterlässt stark geschminkte Frauenleichen auf einer Bank am Lyngbysee. Kommissarin Rebekka Holm ermittelt  – und tappt lange im Dunkeln. Wie gewohnt legt Julie Hastrup viele Spuren und führt den Leser immer wieder auf falsche Fährten. Gleichzeitig verwendet sie viel Zeit darauf, Rebekkas Privat- und Berufsleben zu beleuchten. Für meinen Geschmack bekommen Rebekkas übliche Beziehungsprobleme und die Rangeleien im Team um eine Beförderung viel zu viel Raum in der Geschichte. Spannung kann so nicht richtig aufkommen.

„Die Toten am Lyngbysee“ ist der vierte und bisher letzte Band der Reihe um Kommissarin Holm. Ich kann dafür zwar nur ein „ganz nett“ vergeben. Sollte ein fünfter Band erscheinen werde ich allerdings nicht zögern und den auch lesen.

Todessommer

In „Todessommer“ löst Rebekka Holm ihren dritten Fall. Diesmal macht ein Kindermörder Kopenhagen unsicher. Zufällig ist Rebekkas Ausbilder aus ihrer Zeit beim FBI gerade auf großer Europatour – und der ist auf Fälle von Kindesentführung und Kindermord spezialisiert. Er unterstützt Rebekka tatkräftig bei ihrer Arbeit, die sie schließlich in die eigenen Reihen verlegen muss: Es sieht so aus, als könnte einer der Kollegen der Täter sein.

Die Autorin legt viele Spuren, bringt viele Verdächtige ins Spiel und lässt uns viel am Privatleben der Ermittler teilhaben. Diesmal allerdings zu viel für meinen Geschmack. Ich mag Rebekka noch immer und ich werde sie auch bei ihrem nächsten Fall begleiten. Aber ich bin sehr skeptisch und nicht mehr ganz so euphorisch wie zu Beginn.

An der Mordseeküste

Das ist er, der dritte Fall für Loretta Luchs. Die Dame aus der Feder von Lotte Minck habe ich im Frühjahr diesen Jahres kennengelernt und gleich sympathisch gefunden. Da hat sie (beinahe) Radieschen von unten betrachtet und an der Kochshow „Gib mir den Löffel“ teilgenommen.  In ihrem dritten Fall landet sie mit all ihren Freunden an der Nordsee… – pardon: an der Mordseeküste. Ich hatte ein bisschen Anlaufschwierigkeiten bei diesem Fall. Das mag daran liegen, dass Frau Minck beim Schreiben ein paar Anlaufschwierigkeiten gehabt zu haben schien. Sie musste sich offenbar erst einmal warmschreiben.

Mir war von Anfang an klar, dass hier ganz leichte / seichte Kost auf mich wartet. Die ellenlange Bauanleitung für die perfekte Strandburg war trotzdem zu viel für mich. Klar: Die Burg spielt im weiteren Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle. Schließlich wird die Leiche von Mühling in ihr gefunden. Für meinen Geschmack gab es trotzdem zu viel Aufmerksamkeit für das Anhäufen von Sand und Muscheln.

Hinzu kommt, dass der Lektor an einigen Stellen nicht aufgepasst hat. Vielleicht bin ich da überkritisch. Aber wenn für die Strandgäste explizit ein gelber und zwei weiße Strandkörbe bereitstehen (Infos, die ich sowieso nicht brauche), wieso finden Loretta & Co. dann drei Seiten weiter endlich ihren blauen und die beiden weißen Strandkörbe? So was nervt mich wirklich.

Ansonsten war „An der Mordseeküste“ mal wieder schön leichte Kost für zwischendurch. Ich fand Loretta und ihre Freunde wie immer sympathisch und hab gern meine Zeit mit ihnen verbracht. Den armen Frank hab ich sehr bedauert: Der landet nämlich als Mordverdächtiger im Knast. Um so mehr hängt sich Loretta rein, den wahren Mörder von Ekel Mühling zu finden. Für Frank würde sie – genau wie ihre Freunde – alles tun.

Mein Fazit: Wenn es im nächsten Jahr den nächsten Fall für Loretta Luchs geben sollte, werde ich auch den lesen. Ganz leichte und charmant anspruchslose Kost für zwischendurch. Ganz nett für wenn man auf die Straßenbahn wartet. Kann man lesen.

Wunderlich fährt nach Norden

Ich habe „Wunderlich fährt nach Norden“ ganz zufällig in der Buchhandlung entdeckt. Von der Autorin, Marion Brasch, habe ich vorher noch nie gehört. Nachdem ich die erste Seite gelesen hatte, war ich gefangen und nahm Wunderlich mit nach Hause.

Gleich auf der ersten Seite wird Wunderlich von Marie verlassen. Er ist einsam und hat Liebeskummer. Seine einzige Gesellschaft ist Anonym, der / die Wunderlichs Gedanken lesen kann und überhaupt alles über jeden zu wissen scheint. Anonym meldet sich per SMS und schickt Antworten auf wichtige Fragen und intime Informationen über Personen, die Wunderlich so begegnen.

Um etwas gegen Wunderlichs anhaltenden Liebeskummer zu unternehmen, machen er und Anonym sich irgendwann auf den Weg nach Norden. Unterwegs machen die beiden einen Zwischenstopp in einer Kleinstadt, wo Wunderlich Finke und Toni kennenlernt. Und den schönen Ringo. Und Finkes Exfrau. Und deren neue Lebensgefährtin. Und die Rote Rita. Ein bekloppter Haufen. Und es passiert jede Menge seltsamer Kram, den ich nicht so recht verstehen will und der auch irgendwie nicht zur Geschichte passt. Was soll zum Beispiel der Quatsch mit dem Blauharz? Vielleicht sollte hier ein philosophischer Exkurs zum Thema: „Sind schmerzhafte Erinnerungen besser als keine Erinnerungen?“ eingeleitet werden. Ganz schön plump.

Was soll ich sagen? Ich fand die Protagonisten allesamt sehr sympathisch. Die erzählte Geschichte allerdings lässt mich ratlos zurück. Für mich liest es sich, als hätte Marion Brasch kein Konzept gehabt, sondern einfach drauf losgeschrieben und währenddessen ständig neue Ideen gehabt. Sie hat so viele Spuren gelegt – Blauharz, der verrückte Harry W., John Lennon mit Felljacke, den außer Wunderlich niemand zu sehen scheint – ich dachte, da kommt noch was. Irgendeine Auflösung, die all die Spuren zusammenfügt. Vielleicht ist das auch die Aufgabe des Lesers. Aber dann sind die Spuren zu subtil. Oder ich habe nicht aufmerksam genug gelesen. Oder ich habe es einfach nicht verstanden. Wer weiß.

Fazit: Kann man lesen. Die Geschichte ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Sie ist schön erzählt, mir gefällt der Stil der Autorin. Ich habe sie ganz gern gelesen – bis zu der Stelle mit dem Blauharz. Da hab ich beim Lesen ein verständnisloses und vielleicht auch missbilligendes „Häh?-Gesicht“ gezogen. Und dann das Ende. Komisch. Wer nach leichter Urlaubslektüre für den Strand sucht, kann Wunderlich auf seiner Reise nach Norden begleiten. Vielleicht aber erst nächstes Jahr – im Taschenbuchformat. Die gebundene Ausgabe finde ich ganz schön teuer.