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Nur eine Ohrfeige

Endlich: ein gutes Buch! „Nur eine Ohrfeige“ von Christos Tsiolkas habe ich echt gern gelesen. Die Geschichte beginnt mit einer Grillparty, auf der ein dreijähriger Junge – Hugo – von einem Erwachsenen geohrfeigt wird. Was dann passiert, wird episodisch aus acht verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Nicht falsch verstehen: es wird nicht ein und dieselbe Geschichte acht Mal erzählt. Die Geschichte läuft weiter, sie wird sozusagen wie ein Staffelstab übergeben.

Ich habe acht verschiedene Personen kennengelernt, die alle ihre Sonnen- und Schattenseiten haben. Das ist es wohl auch, was mir so gut gefallen hat: Tsiolkas hat Figuren geschaffen, die echte Menschen sind. Nicht gut oder böse. Einfach echt.

Wer das Buch aufgrund des Klappentextes kauft, wird enttäuscht sein (wer schreibt diese irreführenden Texte?). Das Versprechen „Eine Tat, die alles auf den Kopf stellt. […] Dieser Vorfall hat ein folgenreiches Nachspiel für alle, die seine Zeugen wurden.“ wird nicht gehalten. Die Ohrfeige stellt keinen großen Wendepunkt in den verschiedenen Leben dar. Sie ist lediglich der Erzählanlass für den Autoren und bietet die perfekte Möglichkeit, zu polarisieren. Sowohl zwischen den Protagonisten des Buches als auch zwischen dessen Lesern. Ich hätte das Buch auch ohne die Ohrfeige gern gelesen. Wobei ich mich jetzt frage, wie der Titel dann gelautet hätte?

Fazit: Gutes Buch, lesenswert. Mit EUR 24,95 sehr teuer. Die Taschenbuchausgabe wird vermutlich erst Anfang 2013 kommen.