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Mitgenommen

Herr Grünberg, ich quäle mich!!! Ich habe vor über einer Woche angefangen, „Mitgenommen“ von Arnon Grünberg zu lesen. Inzwischen bin ich (erst) auf Seite 365 von ca. 740 angelangt – und ich kann nicht mehr. Die Geschichte geht mir total auf den Keks, genauso wie der Protagonist. Alles was er tut halte ich für absolut bescheuert…

Zwischendurch entgeht mir nicht, dass die Charakterisierung des Majors (seineszeichens eben jener Protagonist) ziemlich gut gelungen ist. Keine Frage. Sein alle Gefühle überlagernder blinder Autoritätsglaube, der sein Leben in geregelten Bahnen hält, wird mit einer einzigen nicht regelkonformen Entscheidung erschüttert: er nimmt ein fremdes Kind bei sich auf, nachdem er bzw. sein Trupp dessen Eltern ermordet hat. Das Kind schenkt er seiner Frau, die er selbst nicht schwängern kann.

Klingt ja ganz gut, fesselt mich aber nicht. Ich habe keine Lust, meine Zeit mit dem Major zu verbringen. Mich interessiert nicht, wie die Geschichte weitergeht und ich habe die ganze Zeit die Hoffnung, dass sein Auto das nächste im Konvoi ist, das auf eine Mine fährt… Da ich noch über die Hälfte der Geschichte vor mir habe, wird dieser fromme Wunsch wohl nicht erfüllt.

Ich habe heute beschlossen, das Buch wegzulegen und nicht zu Ende zu lesen. Zum Glück habe ich schon Nachschub. Dazu später mehr.

Fazit (Achtung: Kalauer-Alarm!): Mich hat Arnon Grünberg mit seinem Roman nicht mitgenommen.

Mit Haut und Haaren

Ich wollte mal wieder was von Arnon Grünberg lesen – ja, ich habe eine Schwäche für niederländische Autoren. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, „Mit Haut und Haaren“ zu entdecken. Genug Seiten, um mich eine Woche lang zu beschäftigen. Am Ende hat es doch nur für fünf Tage gereicht – ein Umstand, der für die Geschichte sprechen soll.

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil mich die Leben der verschiedenen Hauptpersonen so interessiert haben. Ähnlich wie „Nur eine Ohrfeige“ wird die Geschichte abwechselnd aus den Blickwinkeln der handelnden Personen erzählt. Die Fäden laufen bei Roland Oberstein zusammen, einem vielbeschäftigten Wirtschaftswissenschaftler. Vielbeschäftigt auch deshalb, weil das Glück der Anderen ihm wichtiger zu sein scheint als sein eigenes. Die Anderen – das sind seine Arbeit, seine Exfrau, seine Freundin und sein Sohn. Erschwert wird die Situation dadurch, dass die beiden Frauen und sein Sohn ihren Lebensmittelpunkt in den Niederlanden haben, während Oberstein in den USA arbeitet.

Im Laufe der Geschichte tauchen immer mehr Personen auf, die etwas von ihm wollen und ihn mit ihren Bedürfnissen unter Druck setzen. Dazu kommen die Vorwürfe: „Warum bist du nicht so, wie ich dich haben will?“ und die Wünsche: „Ich will, dass du dieses und jenes für mich tust / bist / machst.“ Die ganze Zeit wollte ich schreien: „Jetzt sag doch mal NEIN!!!“ Die Situation war kaum auszuhalten. Für mich war es spannend (und erschreckend), zu sehen, wie viele verschiedene Spielarten des Machtmissbrauchs in einer Beziehung es gibt. Und das ist auch das Besondere des Buchs. Einen kleinen Wermutstropfen bildet das Ende der Geschichte. Das will mir nicht so recht gefallen. Aber damit kann ich gut leben.

Fazit: „Mit Haut und Haaren“ ist absolut lesenswert.