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Tödlicher Mittsommer

Bei meiner Suche nach einer neuen Krimiserie bin ich auf „Tödlicher Mittsommer“ von Viveca Sten gestoßen. Es handelt sich hierbei um den ersten Fall für Kommissar Thomas Andreasson. Und meinetwegen kann es gerne der letzte bleiben. Damit habe ich natürlich mein Fazit vorgezogen: Ich halte diesen Schund für absolut nicht lesenswert. Aber Sten zeigt mit ihrem literarischen Erguss, wie wichtig so ein Spoiler manchmal sein kann. In ihrem Fall hätte ein Fazit gleich zu Beginn mir die quälende Lektüre eines schlecht geschriebenen und zusätzlich schlecht übersetzten Krimis erspart. Wem dieser Input von mir schon reicht, kann an dieser Stelle aufhören zu lesen und auf den Kauf des Buchs verzichten. Wer mehr Details möchte, möge hier weiterlesen.

In Schulbuchaufsatzmanier erklärt uns die Autorin, worum es geht – nämlich, dass auf der Schäreninsel Sandhamn eine Leiche angespült worden ist. Die liegt da jetzt am Strand, ein Tau um die Brust geknotet. Das Tau gibt Emittler Andreasson und seinem Team keinerlei Rätsel auf: Niemand findet es ungewöhnlich. Das ist seltsam, weil eben dieses Tau sehr viel Platz in der Erzählung erhält. Nun gut. Was für alle nach einem Unfall aussieht – der Mensch ist halt irgendwo über Bord gegangen und ertrunken (mit einem Tau um die Brust?!?) – entpuppt sich dann aber doch als Waschechter Kriminalfall: als nämlich eine zweite Leiche auf Sandhamn gefunden wird. Es ist die Leiche der Cousine des ersten Opfers. Mit ihr hatte der Kommissar kurz vor ihrem Tod noch gesprochen.

Langsam setzt sich die Ermittlung in Gang. Dilettantisch gehen sie vor – was aber daran liegen kann, dass die Autorin offensichtlich keine Ahnung von Polizeiarbeit hat. Sie scheint nicht einmal regelmäßig Krimis zu lesen. Es reicht schon, hin und wieder einen Tatort zu schauen, um die Handlung in der Luft zu zerreißen. Vielleicht ist es aber auch der bereits erwähnte schreckliche Schreibstil, der sie daran hindert, sich richtig auszudrücken. Ihr Lieblingsstilmittel ist übrigens der Cliffhanger. Wäre natürlich wirksamer, wenn die Handlung, die sie unterbricht, wirklich spannend wäre.

Apropos Handlung unterbrechen: Das passiert ständig. Und warum? Damit wir etwas über das schwere Schicksal von Thomas Andreasson erfahren. Der hat es wirklich schwer gehabt. Schlimm. Der Arme. Die andere Hälfte der Zeit erfahren wir etwas über seine beste Freundin Nora. Die ist von Beruf Bilderbuchmutter und nebenbei erfolgreiche Juristin bei einer Bank. Ihr Chef ist ein Arsch, darum will sie einen neuen Job. Weil aber auch ihr Mann ein Arsch ist wird das mit dem neuen Job wohl nichts werden. Nein, das erfahren wir nicht nebenbei. Das erfahren wir in aller Ausführlichkeit inklusive der dazugehörigen Auseinandersetzungen zwischen Gattin und Gatte.

Schließlich wird der Fall gelöst (sorry für den erneuten Spoiler – aber damit war ja zu rechnen). Und wie? Indem das alles entscheidende total wichtige den Fall lösende Indiz, das alle schon nach wenigen Seiten auf die richtige Fährte hätte führen können, erst ganz kurz vor Schluss gefunden wird. Immerhin von der Polizei. Allerdings an einer Stelle, an der sie schon gesucht hatte. Das alles entscheidende total wichtige den Fall lösende Indiz ist schlichtweg übersehen worden. Dabei war es nicht einmal gut versteckt. Das hat mir dann den Rest gegeben. Für mich gibt es keinen Grund, weiter Zeit mit Thomas Andreasson zu verbringen. Fazit: s.o.

Unter Haien

Wie schon so oft wollte ich auch diesmal zunächst fragen: „Was bitte hat der Lektor genommen? Und wo kriegen wir das?“ Aber die Fragen sind überflüssig. Der arme Mensch hat vermutlich nach 80 (von 672) Seiten aufgegeben. „Nele, da musst du noch mal ran. Andere Story, anderer Stil.“ – „Du meinst: Was anderes?“ – „Äh… Ja. Was GANZ anderes.“ Blöderweise wurde dann doch der Ursprungstext verlegt – und der gelangte in meine Hände. Verdammte Scheiße. Frau Neuhaus, ich kann mir einfach nicht erklären, was da passiert ist.

Zum Inhalt: Alex Sontheim sieht FANTASTISCH aus. Sie verdreht nahezu jedem Mann, dem sie begegnet, den Kopf. Sie ist hoch intelligent. Sie ist reich. Sie ist erfolgreich. Sie hat es von Deutschland nach New York geschafft. Und dort schwimmt sie nun mit den anderen Finanzhaien im Haifischbecken der Finanzwelt. Sie freundet sich mit dem Bürgermeister von New York an, dem sie später das Leben rettet. Sie lernt sogar den amerikanischen Präsidenten von Amerika kennen, der – natürlich – schon von ihr gehört hat.

In diese zauberhafte Rosamunde-Pilcher-Welt mischt sich dann die böse Mafia – in Form von Sergio Vitali. Er sieht FANTASTISCH aus. Er verdreht nahezu jeder Frau, der er begegnet, den Kopf. Er ist total gerissen. Er ist stinkreich. Er hat es an die Spitze der Mafia geschafft und kontrolliert von dort skrupellos die Politik, den Drogenhandel und die Finanzwelt. Dieser Mann passt hervorragend zur hochintelligenten (ich muss das noch mal betonen), toughen und erfolgreichen Alex. Nicht wahr? Nein, denn sie ist ja hochintelligent. Und rechtschaffen. Da lässt man sich nicht mit der Mafia ein. Wie auch immer. Die beiden kommen zusammen.

Sergio umwirbt Alex machohaft, betrügt sie mit irgendwelchen Models (und seine Ehefrau mit ihr). Irgendwann erfährt Alex, dass Sergio jemanden hat umbringen lassen. Sie ist völlig außer sich – und bleibt bei ihm. Sie wird von ihm vergewaltigt – und bleibt bei ihm. Sie findet heraus, dass sie von ihrem Arbeitgeber schamlos ausgenutzt und ihre Erfolge für illegale Geschäfte missbraucht werden – und arbeitet weiter dort. Aber sie ist ja so wahnsinnig schlau. Und tough. Und erfolgreich. Und beliebt. Und überhaupt… Die Story nimmt eine Milliarde an den Haaren herbeigezogene Wendungen und wird immer bescheuerter. Alex auch.

Alle paar Seiten gelangt sie zu den gleichen Erkenntnissen: Vielleicht ist Sergio doch nicht so vertrauenswürdig, wie sie dachte (NEIN! Ist er nicht, du dumme Nuss! Er hat jemanden umbringen lasssen!). Vielleicht geht ihr Chef illegalen Geschäften nach (JA! Das hat er dich doch schon längst wissen lassen, als er dir diesen illegalen Bonus angeboten hat!!!). Vielleicht ist Sergio ja doch kriminell. (Äh… WTF? …!) Vielleicht nutzt ihr Chef die Infos, die sie ihm gibt, für illegalen Insider-Handel (Du Trottel hast ihm doch selbst ’ne Falle gestellt um das rauszufinden!!!).

Wie gesagt: Ich hab keine Ahnung, was da passiert ist. Ich weiß nur, was da nicht passiert ist: Recherche, Lektorat, Entwicklung einer sinnvollen Storyline, Entwicklung von glaubwürdigen Charakteren, … Da auf dem Umschlag „Kriminalroman“ und nicht Wirtschaftssatire“ steht, muss ich davon ausgehen, dass das Ganze ernst gemeint ist. Darum kann mein Fazit nur lauten: Nicht lesen. Nicht kaufen. Wenn der Tipp zu spät kommt: Unbedingt wegschmeißen. Bitte auch nicht in diese öffentlichen Büchertauschregale stellen. Auf keinen Fall.

Die Frau auf der Treppe

Hm. Der neueste Erguss von Bernhard Schlink ist überhaupt nicht meins. Er ging mir sogar tierisch auf den Keks. Das mag an der Stimme von Charles Brauer gelegen haben, dem ehemaligen Tatort-Kollegen von Manfred Krug (ich habe „Die Frau auf der Treppe“ als Hörbuch konsumiert). Vielleicht fand ich auch einfach die Geschichte blöde. Oder die Protagonisten. Oder es kam einfach alles zusammen.

Ich mochte den Ich-Erzähler zum Beispiel überhaupt nicht. Ein älterer Jurist. Unemotional, überlegt, steif, völlig humorlos und – vor allem, was seine erste große Liebe angeht – total naiv. Er erzählt uns von eben dieser großen Liebe, die inzwischen 40 Jahre zurückliegt. Irene. Er lernt sie in jungen Jahren kennen, weil ihr Mann und ihr neuer Lebensabschnittgefährte miteinander um ein Bild – und gleichzeitig um Irene – streiten. Irene ist auf dem Bild dargestellt. Beide Männer wollen sie. Auf die eine oder andere Art. Unseren Ich-Erzähler schalten sie als Rechtsbeistand ein.

Long Story short: Der Ich-Erzähler verliebt sich furchtbar in Irene. Sie klaut das Bild und verlässt alle drei Männer. Sie taucht unter und erst 40 Jahre später wieder auf. In einer verlassenen Bucht, wo sie in einem halb verfallenen Haus so eine Art Einsiedlerleben führt. Das Bild, das 40 Jahre lang mit ihr verschollen war, wird in der Art Gallery von Sidney ausgestellt und führt somit die Herren zu Irene (die genau das mit der Ausstellung des Bildes erreichen wollte) und damit alle wieder zusammen. Irene ist inzwischen todkrank und hat nicht mehr viel Zeit. Ihre letzten Wochen / Tage will sie nutzen, um – ja. Um was zu tun? Keine Ahnung.

Ich finde diese Zusammenkunft furchtbar konstruiert. Vermutlich geht es darum, aufzuzeigen, wie der Ich-Erzähler sich wandelt. Von diesem unemotionalen, überlegten, stocksteifen, humorlosen und naiven Anwalt hin zu einem Menschen, der kritisch auf sein Leben zurückblickt und plötzlich Gefühle entwickelt und ständig heult. Erinnerte mich stark an die Entwicklung, die Homo Faber durchmacht. Aber nicht annähernd so gut. Braucht es dafür so eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte? Hm… Ok, die brauchte es bei Homo Faber ja auch. Trotzdem war mir der sehr viel lieber.

Ich mochte sie alle nicht: Den Maler nicht, den Ehemann nicht, Irene nicht, den Anwalt nicht. Alle unsympathisch. Alle humorlos. Alle gealtert ohne sich entwickelt zu haben. Die plötzliche Entwicklung des Anwalts innerhalb weniger Tage empfinde ich darum als unglaubwürdig. Achtung, Spoiler-Alarm: Irene verschwindet am Ende einfach. Vermutlich ist sie ertrunken, aber ihre Leiche wird nicht gefunden. Es kann also sein, dass sie, ihrer schweren Krankheit zum Trotz, doch noch lebt. Das macht mir Angst. Ich hoffe, Schlink kommt nicht auf die Idee, eine Fortsetzung zu schreiben. Mein Fazit: So überhaupt gar nicht lesenswert. Nein.

Schweinskopf al dente

Ein (für mich) neuer Provinzkrimi mit Kommissar Franz Eberhofer. Gleich zu Beginn lerne ich, dass Eberhofer bisher gar nicht Kommissar war. Er hat erst jetzt seine silbernen Sterne (die im rechten betrachtet Licht sogar golden schimmern) und damit den Dienstgrad des Kommissars erhalten. Na gut. Ich ändere das in den Rezensionen zu „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ jetzt aber nicht mehr ab.

Ich fand es zunächst wieder ausgesprochen witzig, dem Eberhofer bei der Arbeit und dem ganzen Kram, den er sonst so anstellt, zuzulesen. Er ist auch wirklich ein seltsamer Vogel. Der Fall – für mich – mal wieder Nebensache. Allerdings gibt es auch keinen wirklichen Fall. In aller Kürze: Der Bügermeister Moratschek wird bedroht und zieht darum beim Eberhofer seinem Vater (sic!) ein. Die beiden hören die Beatles und die Stones und der Eberhofer ist genervt.

Nebenbei passieren die üblichen Bescheuertheiten: Der Leopold und die Sushi kommen regelmäßig zu Besuch. Leopold schleimt, die alte Schleimsau. Die Sushi lernt sprechen. Mit dem Ludwig wird die tägliche Runde in neuen Rekordzeiten absolviert (sowohl ein neuer Negativ- als auch ein neuer Positivrekord werden aufgestellt). Die Oma geht auf Schnäppchenjagd und kocht hervorragend. Die Susi fehlt dem Eberhofer… Das Übliche eben.

Ein fieser Nachgeschmack ist mir diesmal aber geblieben. Ich finde den Eberhofer inzwischen ziemlich unsympathisch, nachdem er seine ganzen Vorurteile über eine türkische Familie, die im Dorf wohnt, abgelassen hat. Und über den „typischen Italiener“. Und über alle möglichen anderen Themen. Und ich finde es beschissen, dass Rita Falk mich mit seinen Vorurteilen allein lässt – die im Übrigen nichts zur Handlung beitragen. Der Eberhofer ist ihre Erfindung. Und wenn der so eine Scheiße über Ausländer vom Stapel lässt, dann will ich, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Für mich geht es überhaupt nicht in Ordnung, Ausländerfeindlichkeit und widerliche Vorurteile als „charmante Eigenart eines eigensinnigen Sturkopfs aus Bayern“ abzutun. Und darum hab ich beschlossen, dass ich ab jetzt keine Zeit mehr mit dem Eberhofer verbringen möchte. Seine nächsten Fälle muss er ohne mich lösen. Wenn ich so einen Mist lesen will, kann ich mir ja die Bild-Zeitung kaufen. Ist auch billiger. Mein Fazit lautet dementsprechend: Nicht lesenswert.

The Circle

Au weia… Was für eine Frechheit, diesen Schrott in einem Atemzug mit Huxley und Orwell zu nennen! In Dave Eggers‘ „The Circle“ begleiten wir Mae Holland, eine junge Frau, die einen absoluten Traumjob im Circle (DAS Traumunternehmen) bekommt. Dort darf sie Kundenanfragen beantworten, und das macht sie auf geradezu unglaublich grandiose Weise – sie scheint ein wahres Naturtalent zu sein. Äh. Ja, genau. Sie sucht aus einem Q&A-Formular die passende Antwort zu Kundenanfragen und formuliert diese um, damit sie „menschlich“ klingen. Wahnsinn. Wie gesagt: Ein echter Traumjob.

Diese unreflektierte und kritiklose Mae, die mir schon nach wenigen Seiten tierisch auf den Keks ging, hält sich auf jeden Fall ob ihres Jobs für ein absolutes Glückskind. Gleichzeitig lässt sie sich ständig von ihren Vorgesetzten vorführen und rechtfertigt und entschuldigt sich in einer Tour dafür, dass sie nicht jede Sekunde ihrer Freizeit medienwirksam im Netz dokumentiert. Auf mich wirkt sie unglaublich hohl. Na ja. Sie ist gleichzeitig sehr flach. Da bleibt nicht viel Platz für Hohlräume. So jemanden zu erschaffen, ist schon eine Kunst für sich. Dazu möchte ich Dave Eggers dann doch gratulieren.

Immerhin konnte mir bei der Lektüre eine wichtige Erkenntnis noch einmal verdeutlicht werden: Mae wird von ihren Vorgesetzten und ihrer Umwelt dazu angehalten, wirklich alles öffentlich zu dokumentieren, was sie so treibt. Und möglichst viel von dem zu kommentieren, was ihre Umwelt so treibt. „Du magst Kayaks? Wieso schreibst du nichts darüber?“ Oder: „Dein Vater leidet unter MS? Die Community hat ein Recht, mehr darüber zu erfahren!“ Mae fügt sich und beginnt damit, ihr komplettes Leben öffentlich auszubreiten.

Durch dieses Verhalten bekommt sie mehr Relevanz, ausgedrückt in einem hohen Ranking auf so einer Circle internen Aktivitätsskala (an deren Bezeichnung ich mich gerade nicht erinnern kann). Tatsächlich bekommt sie bzw. ihr Leben durch dieses Verhalten immer weniger Relevanz – zumindest für mich. Es ist nicht möglich, durch Masse Bedeutung zu erzeugen. Denn wenn plötzlich alles wichtig ist, ist am Ende gar nichts mehr wichtig. Diese Erkenntnis ist mir nicht neu. Aber Dank Eggers und seiner für mich immer noch langweiliger werdenden Protagonistin (hätte ich nicht für möglich gehalten) ist sie für mich noch einmal um einiges klarer geworden.

Ich habe schließlich nicht bis zum Ende durchgehalten. Laut Kindle habe ich aber immerhin 66% geschafft (Asche auf mein Haupt). Wer weiß, ob die gute Mae am Ende doch noch eine Wandlung durchmacht – es ist mir egal. Noch ein Kritikpunkt: Ich habe „The Circle“ auf englisch gelesen. Die miese und einfallslose Sprache kann also nicht einer schlechten Übersetzung zur Last gelegt werden. Vermutlich hat es Eggers einfach nicht drauf. Fazit: Bitte nicht lesen. Reine Zeitverschwendung.

Manchmal muss es eben Mord sein

OH. MEIN. GOTT. Ich habe selten so einen Schrott gelesen. Natürlich hab ich keinen Putlitzer Preis-verdächtigen Schreibstil erwartet und auch keine Story, wie Hjorth & Rosenfeldt sie zaubern. Aber mit so einem Mist hab ich nun auch wieder nicht gerechnet. Das Frauenbild, das Frida Mey (hinter dem Pseudonym verbirgt sich ein Autorinnenduo) in Form der Kommissarin Alex zeichnet, ist unerträglich. Tough soll sie sein… Eine Frau, die einen Männernamen trägt und auf dem Schießstand brilliert – sich ansonsten aber von allem und jedem herumkommandieren lässt und die Zähne nicht auseinander kriegt? Die kann ich einfach nicht ernst nehmen.

Der alberne Fall kann davon auch nicht ablenken. Die Idee von Elfie Ruhland, die als Office-Managerin auf ihre eigene Art und Weise aufräumt, ist vielleicht ganz nett, aber völlig uninspiriert umgesetzt. Ich habe „Manchmal muss es eben Mord sein“ bis zum bitteren Ende gelesen, weil ich nicht einschlafen konnte und auf die Schnelle nichts besseres gefunden habe. Um den zweiten Band werde ich einen großen Bogen machen. Mein Fazit: Prima Schrottwichtel-Geschenk.

Ich könnte am Samstag

„Hier, nach der Lektüre wirst du die Welt mit anderen Augen sehen“, versprach der Klappentext. Eine Herausforderung. Ich glaube nicht, dass ich „Ich könnte am Samstag“ von Mark Watson gekauft hätte, wenn ich es in einer Buchhandlung entdeckt hätte. Über die Empfehlung und gleichzeitige Leihgabe einer Bekannten hab ich mich trotzdem gefreut. Und gespannt angefangen zu lesen. Der Anfang war auch ganz nett. Seichte Lektüre für Zwischendurch – so wurde mir der Roman auch angekündigt.

Hm. Gefühlt ein Coming of Age Roman. Wobei der Protagonist – Chris oder Xavier – schon ziemlich erwachsen ist. Irgendwie auch ne Beziehungskiste. Auch wenn die Beziehung, auf die ständig angespielt wird, schon lange her ist. Worauf ich 151 Seiten lang gewartet habe, war der Umschwung. Wann, ja: WANN würde ich endlich beginnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen? Und wieso überhaupt? Weil der Protagonist, der im Grunde gar nicht so trantütig wie angekündigt ist, plötzlich eine Putzfrau hat, die im Grunde gar nicht so vor Energie überschäumt wie angekündigt? Keine Ahnung. Auf Seite 151 hab ich den Absprung gemacht, die restlichen 185 Seiten habe ich mir erspart.

Ich fand Xavier ganz sympathisch, aber nicht sympathisch genug, um weiter Zeit mit ihm zu verbringen. Mir ging auf den Keks, dass er ganz offenbar ein Geheimnis mit sich herumträgt (seine Vergangenheit mit Matilda). Hat er immer wieder angedeutet, dass da demnächst noch ne Enthüllung kommt. Die hat mich aber null interessiert. Ich wollte auch nicht wissen, ob er nun mit seiner Nachbarin, ihreszeichens alleinerziehende Mutter eines hyperaktiven Sohns, zusammenkommt oder nicht. Oder ob seine Putzfrau vielleicht doch irgendwann anfängt, vor Energie überzuschäumen. Ich war einfach gelangweilt. Außerdem lag schon was Neues von Foenkinos auf meinem Nachttisch. Darum, Herr Watson: leider nein. Leider gar nicht. Aber danke für’s Mitspielen.

Die Zeit, die Zeit

Ach, Herr Suter… Von Ihnen hab ich mir schon was anderes erwartet! Nach einem vielversprechenden Anfang, der wirklich neugierig und Lust auf mehr macht, dreht die Geschichte „Die Zeit, die Zeit“ völlig ab und ist nur noch nervig.

Es geht um zwei Männer, Nachbarn, deren Frauen verstorben sind. Beide kommen nicht mit ihrem Verlust zurecht, können nicht mit der Vergangenheit abschließen und nicht loslassen. Sie verbringen ihre Zeit damit, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Zeit stehengeblieben sei: der eine isst jeden Tag das gleiche wie damals, an ihrem Todestag. Der andere sorgt dafür, dass die Bäume in seinem Garten immer genauso aussehen wie am Todestag seiner Frau. Und die Bäume in den Nachbargärten. Und überhaupt… Und dann treffen sie sich. Und merken, wie ähnlich sie sich in ihrem bestreben sind. Bis dahin: alles gut.

Dann beginnt Suter, langweilige Vorträge über Theorien zur Zeit zu halten – die legt er seinen Protagonisten in den Mund. Da ich kein Interesse an diesen Theorien habe, habe ich diese Absätze übersprungen. Neugierig darauf, wie die Geschichte weitergeht. Die Theorien sind mir schon bescheuert genug, aber was dann losgeht ist kaum auszuhalten: die beiden Herren beginnen, den 11. Oktober 1991 nachzubauen – in der Hoffnung, dass die Ehefrau des einen wieder zurückkommt. Oder erscheint. Oder sonst was – ich versteh das einfach nicht.

Während ich zum Einen die ganze Zeit mit Kopfschütteln beschäftigt bin – wie kann der Autor die beiden so ernst in ihrem Vorhaben nehmen, dass er einfach akribisch die Akribie beschreibt, mit der sie vorgehen? – stelle ich mir zum Anderen die ganze Zeit Fragen. Alles muss exakt so aussehen wie am 11. Oktober 1991. Jeder Kniff in irgendwelchen Kissen, die Farben der Stecknadelköpfe in irgendwelchen Nadelkissen… Aber was ist, wenn 1991 ein Kaugummi auf der Straße geklebt hat, der jetzt nicht mehr da klebt? Und selbst wenn man einen neuen hinklebte: er enthielte eine andere DNS…

Ich habe zwar bis zum Ende durchgehalten, aber ich kann das Buch niemandem empfehlen. Echt bescheuerter Scheiß, gekrönt von einem total bescheuerten Ende.

Shades of Grey

Äh… Nein. Leider nein. Leider gar nicht. Ich hab mich von der Begeisterung blenden lassen und mir diesen Bestseller von E.L. James in der Bahnhofsbuchhandlung für eine Zugfahrt gekauft. Und ich hab tatsächlich bis Seite 430 durchgehalten – die Fahrt war sehr lang und ich hatte nichts anderes dabei. Soll ich mich über den beschissenen Schreibstil auslassen? Über die logischen Fehler, die ein Lektor hätte ausbügeln müssen? Oder darüber, dass ich beim Lesen der Sexszenen nicht mal ansatzweise rot geworden bin (ich saß schließlich im Zug)? Nee. Das blöde Buch hat es nicht bis zu mir nach Hause geschafft. Ich hab es auf dem Heimweg vom Bahnhof verschenkt.

Die Frau im Spiegel

Drei Frauen aus drei Epochen auf der Suche nach sich selbst. Sie können unterschiedlicher nicht sein, doch allen gemeinsam ist die Lust zu Leben und die Rebellion gegen ein Dasein aus zweiter Hand.“ – Der Klappentext von „Die Frau im Spiegel“ liest sich wie die Ankündigung eines typischen Frauenromans. Also genau mein Geschmack (NICHT!!!). Wenn aber Eric-Emmanuel Schmitt der Autor ist, kann ich nicht anders, als dem Ganzen eine Chance zu geben.

Dummerweise ist es dann doch so ein typischer Frauenroman. Drei Geschichten von drei Frauen – Anne, Hanna und Anny – aus drei Epochen, die abwechselnd erzählt werden. Vorhersehbar, ohne Überraschung mit schlecht gezeichneten Charakteren. Von Schmitt erwarte ich deutlich mehr! Wie schon in „Als ich ein Kunstwerk war“ schwingt er die Moralkeule und lässt sich über den Verfall der Sitten und die verwerfliche Sensationsgeilheit der Gesellschft aus aus. Dabei ist er polemisch, in seiner Argumentation platt und aufdringlich.

Vor allem die Geschichte der Schauspielerin Anny, die zur heutigen Zeit in Los Angeles spielt, ging mir auf den Keks. Auf „Eric-Emmanuel-Schmitt.com“ lernen wir über sie: „Anny, der aufgrund ihres Talents eine glänzende Karriere als Schauspielerin bevorsteht, ist dabei, gegen das System Hollywood zu revoltieren.“ Äh… Ja. Genau. Schmitt macht Anny dafür zu einem klischeehaften Hollywood-Sternchen: Eine Nymphomanin mit krassem Drogenproblem, umgeben von herzlosen Regisseuren, mit denen sie ins Bett steigt, und skrupellosen Managern, die noch nicht einmal davor zurückschrecken, ihren Entzug in der Klinik als Livestream ins Netz zu stellen. BÖSES HOLLYWOOD!!!

Zwischen den Zeilen kotzen dem Leser auf jeder Seite Sätze wie „Was ist bloß aus der Gesellschaft geworden?“ oder „Was haben die Medien bloß aus uns gemacht?“ und „Wie soll das noch enden?“ entgegen. Zum KOTZEN. Dazu kommen noch jede Menge logische Fehler in der Geschichte (hat der Lektor da gepennt?). Der Höhepunkt des schlechten Geschmacks: das Finale, in dem die drei Erzählstränge zusammengeführt werden. Äh… Ja. Das war dann doch nicht so vorhersehbar. Es hat sich angefühlt, als hätte Schmitt einfach nicht gewusst, wie er die Geschichten sonst zu Ende bringen soll. „Och, dann verbinden wir sie mal.“

Ich habe den Roman bis zum bitteren Ende gelesen. Zum Einen, weil es Wochenende war und ich nichts anderes da hatte. Zum Anderen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass das alles sein soll. Herr Schmitt, bitte: keine Frauen-Kitsch-Gesellschaftskritik-Romänchen mehr! Schreiben Sie wieder Theaterstücke!!!

Fazit: absolut nicht lesenswert. In Zukunft werde ich dreimal überlegen, bevor ich zugreife, nur weil Schmitt auf dem Cover steht.