Schweinskopf al dente

Ein (für mich) neuer Provinzkrimi mit Kommissar Franz Eberhofer. Gleich zu Beginn lerne ich, dass Eberhofer bisher gar nicht Kommissar war. Er hat erst jetzt seine silbernen Sterne (die im rechten betrachtet Licht sogar golden schimmern) und damit den Dienstgrad des Kommissars erhalten. Na gut. Ich ändere das in den Rezensionen zu „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ jetzt aber nicht mehr ab.

Ich fand es zunächst wieder ausgesprochen witzig, dem Eberhofer bei der Arbeit und dem ganzen Kram, den er sonst so anstellt, zuzulesen. Er ist auch wirklich ein seltsamer Vogel. Der Fall – für mich – mal wieder Nebensache. Allerdings gibt es auch keinen wirklichen Fall. In aller Kürze: Der Bügermeister Moratschek wird bedroht und zieht darum beim Eberhofer seinem Vater (sic!) ein. Die beiden hören die Beatles und die Stones und der Eberhofer ist genervt.

Nebenbei passieren die üblichen Bescheuertheiten: Der Leopold und die Sushi kommen regelmäßig zu Besuch. Leopold schleimt, die alte Schleimsau. Die Sushi lernt sprechen. Mit dem Ludwig wird die tägliche Runde in neuen Rekordzeiten absolviert (sowohl ein neuer Negativ- als auch ein neuer Positivrekord werden aufgestellt). Die Oma geht auf Schnäppchenjagd und kocht hervorragend. Die Susi fehlt dem Eberhofer… Das Übliche eben.

Ein fieser Nachgeschmack ist mir diesmal aber geblieben. Ich finde den Eberhofer inzwischen ziemlich unsympathisch, nachdem er seine ganzen Vorurteile über eine türkische Familie, die im Dorf wohnt, abgelassen hat. Und über den „typischen Italiener“. Und über alle möglichen anderen Themen. Und ich finde es beschissen, dass Rita Falk mich mit seinen Vorurteilen allein lässt – die im Übrigen nichts zur Handlung beitragen. Der Eberhofer ist ihre Erfindung. Und wenn der so eine Scheiße über Ausländer vom Stapel lässt, dann will ich, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Für mich geht es überhaupt nicht in Ordnung, Ausländerfeindlichkeit und widerliche Vorurteile als „charmante Eigenart eines eigensinnigen Sturkopfs aus Bayern“ abzutun. Und darum hab ich beschlossen, dass ich ab jetzt keine Zeit mehr mit dem Eberhofer verbringen möchte. Seine nächsten Fälle muss er ohne mich lösen. Wenn ich so einen Mist lesen will, kann ich mir ja die Bild-Zeitung kaufen. Ist auch billiger. Mein Fazit lautet dementsprechend: Nicht lesenswert.

2 Gedanken zu „Schweinskopf al dente“

  1. Ein Nachtrag: Ich hab mal ein bisschen gesucht und eine Rezension zu „Schweinskopf al dente“ gefunden, die mir aus der Seele spricht. Hätte ich mal vorher finden solle. Es ist mir jetzt regelrecht peinlich, dass ich die anderen Fälle um den Eberhofer so kritiklos konsumiert habe… Aber lest selbst, was das CulturMag zu dem Thema zu sagen hat: http://bit.ly/1vKlIHB

  2. Das lässt mir ja keine Ruhe… Ich hab jetzt recherchiert, ob Rita Falk sich mal zu dem Thema geäußert hat, und in einem Interview Folgendes gefunden:
    Eine der Besonderheiten an „Dampfnudelblues“ ist ja, dass viele Dialoge überhaupt nicht politisch korrekt sind, zum Teil auch sexistisch oder rassistisch. Da entdeckt man eine Gesellschaftskritik, in sehr schlauer und lustiger Weise. War das von Anfang an so geplant? (Schlaue und lustige Gesellschaftskritik? Im Ernst?)
    Das kommt alles aus dem Bauch heraus. Manchmal wundere ich mich tatsächlich, wenn Menschen das ernst nehmen und sich auf den Schlips getreten fühlen. Ich finde, es ist schon ziemlich deutlich, dass es eben nicht ernst gemeint ist, dass das eben einfach provokant ist, aber auf eine witzige Weise. Ich habe einmal eine böse E-Mail gekriegt von einem Leser und habe dann einfach zurück geschrieben, dass ich eine gewisse Grundintelligenz von meinen Lesern erwarte – fertig.“
    Das komplette Interview findet ihr hier: http://bit.ly/1y6Ijl5

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