Kalter Grund

Nachdem ich vorerst fertig bin mit Pia Kirchhoff habe ich mir eine neue Pia gesucht: Pia Korittki. Auswahlkriterium für die neue Ermittlerin war unter anderem die Tatsache, dass die Dame inzwischen schon zehn Fälle gelöst (oder zumindest bearbeitet) hat. Wenn ich mich schon an jemanden gewöhne will ich auch ne Weile was von der Person haben. Eva Almstädts Reihe schien mir da geeignet zu sein.

Nach kurzer Zeit hatte ich allerdings den Eindruck, dass ich gar nicht so viel Zeit mit Pia Korittki würde verbringen wollen. Sie kam mir naiv vor und war irgendwie unsympathisch. Das Setting gefiel mir auch nicht: Pia ist neu in einem Team von Kollegen, die ihr die ganze Zeit das Leben schwer machen, weil sie Pia nicht leiden können und ihr nichts zutrauen. Außerdem ist sie die einzige Frau – schon deshalb wird sie nicht ernst genommen. Das fand ich sehr anstrengend. Die Krönung des Ganzen bildete dann die Tatsache, dass Pia mit einem der größten Ekel aus dem Kollegenkreis (für mich) völlig unerwartet im Bett landet.

Der Fall war jetzt auch nicht sonderlich aufregend: Drei Tote auf einem Bauernhof. Ein ganzes Dorf wird in Angst und Schrecken versetzt. Für die Ermittlungen müssen Pia und jener ekelhafte Kollege, der sie später verführen soll, in ein Hotel in dem holsteinischen Dorf ziehen. Im Laufe dieser Ermittlungen verschwindet ein Mädchen – und plötzlich fand ich doch alles ganz schön spannend. Ich habe mich festgelesen und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und auch Pia fand ich gar nicht mehr so blöde.

Das Setting – Pia wird von ihren Kollegen nicht ernst genommen – ist entgegen meiner Befürchtung nicht starr, sondern entwickelt sich. Sehr entspannend. Ich habe mir schon vorgestellt, wie diese Grabenkämpfe über zehn Folgen lang ausgedehnt werden und in unglaubwürdige Dimensionen abdriften. Am Ende fand ich, dass Pia eine bodenständige Frau ist. Grundsätzlich selbstbewusst, lässt sich aber doch immer wieder verunsichern. Ihre inneren Kämpfe sind realistisch, ich konnte vieles gut nachempfinden.

Der Fall schließlich bleibt bis zum Ende unvorhersehbar. Die Auflösung wiederum nachvollziehbar. Insgesamt lautet mein Urteil: Absolut lesenswert. Ich freue mich schon darauf, mehr Zeit mit Frau Korittki zu verbringen.