Ich könnte am Samstag

„Hier, nach der Lektüre wirst du die Welt mit anderen Augen sehen“, versprach der Klappentext. Eine Herausforderung. Ich glaube nicht, dass ich „Ich könnte am Samstag“ von Mark Watson gekauft hätte, wenn ich es in einer Buchhandlung entdeckt hätte. Über die Empfehlung und gleichzeitige Leihgabe einer Bekannten hab ich mich trotzdem gefreut. Und gespannt angefangen zu lesen. Der Anfang war auch ganz nett. Seichte Lektüre für Zwischendurch – so wurde mir der Roman auch angekündigt.

Hm. Gefühlt ein Coming of Age Roman. Wobei der Protagonist – Chris oder Xavier – schon ziemlich erwachsen ist. Irgendwie auch ne Beziehungskiste. Auch wenn die Beziehung, auf die ständig angespielt wird, schon lange her ist. Worauf ich 151 Seiten lang gewartet habe, war der Umschwung. Wann, ja: WANN würde ich endlich beginnen, die Welt mit anderen Augen zu sehen? Und wieso überhaupt? Weil der Protagonist, der im Grunde gar nicht so trantütig wie angekündigt ist, plötzlich eine Putzfrau hat, die im Grunde gar nicht so vor Energie überschäumt wie angekündigt? Keine Ahnung. Auf Seite 151 hab ich den Absprung gemacht, die restlichen 185 Seiten habe ich mir erspart.

Ich fand Xavier ganz sympathisch, aber nicht sympathisch genug, um weiter Zeit mit ihm zu verbringen. Mir ging auf den Keks, dass er ganz offenbar ein Geheimnis mit sich herumträgt (seine Vergangenheit mit Matilda). Hat er immer wieder angedeutet, dass da demnächst noch ne Enthüllung kommt. Die hat mich aber null interessiert. Ich wollte auch nicht wissen, ob er nun mit seiner Nachbarin, ihreszeichens alleinerziehende Mutter eines hyperaktiven Sohns, zusammenkommt oder nicht. Oder ob seine Putzfrau vielleicht doch irgendwann anfängt, vor Energie überzuschäumen. Ich war einfach gelangweilt. Außerdem lag schon was Neues von Foenkinos auf meinem Nachttisch. Darum, Herr Watson: leider nein. Leider gar nicht. Aber danke für’s Mitspielen.