Gelesen im August 2017

Gelesen im August 2017

Vor lauter Lesen bin ich gar nicht zum Schreiben gekommen. Darum mit etwas Verspätung meine Leseliste für den August. Diesmal sind viele Thriller dabei – der verregnete Sommer verlangte nach leichter Kost und seichter Unterhaltung.

1 – 4 Adrian McKinty // Sean Duffy-Serie
„Der katholische Bulle”
„Die Sirenen von Belfast“
„Die verlorenen Schwestern“
„Gunstreet Girl“
„Der katholische Bulle” bildet den Auftakt der Reihe um Detective Sergeant Sean Duffy, der nach einer Beförderung frisch nach Belfast versetzt wurde. Die Serie spielt im Irland der 1980er Jahre, genauer gesagt in Nordirland. Wir befinden uns mitten im Konflikt. Duffy ist Katholik, so ziemlich der einzige unter den Polizisten. Und damit ein Außenseiter für die Kollegen. Und ein Verräter für die IRA. Eine denkbar schlechte Ausgangslage für seinen Start.

Wir begleiten Duffy bei der Aufklärung von zwei Morden, hinter denen ein Serienmörder zu stecken scheint. Die Spuren führen Duffy bis in die höchsten Kreise der IRA. Der Fall gerät aber mehr und mehr aus dem Fokus, weil der Autor sich immer wieder dem Nordirlandkonflikt zuwendet. Ich fand es schwierig, die ganzen politischen Gruppierungen und ihre Abkürzungen auseinanderzuhalten und konnte nicht immer ganz folgen.

Alles in allem war es aber ein ziemlich gutes Debut, denn ich mag Duffy. Er ist ein cooler Typ, ziemlich gebildet, der sich aber Mühe gibt, das nicht durchscheinen zu lassen, um unter seinen Kollegen nicht aufzufallen. Er säuft und kifft vielleicht ein bisschen viel. Vielleicht hat er auch zu viele Frauengeschichten laufen. Aber er hat einen sehr guten Humor und darum habe ich ihn auch gleich bei seinen nächsten drei Fällen begleitet. Einer steht noch aus, der ist nächsten Monat dran. Fazit: Empfehlenswert.

5 Paul Finch // Mark Heckenburg-Serie
„Mädchenjäger”
Wieder ein Serien-Debut, diesmal um Detective Sergeant Mark Heckenburg, genannt „Heck”. Er ermittelt in London und versucht in seinem ersten Fall, die Morde an nicht weniger als 38 Frauen aufzuklären. Für Heck handelt es sich zweifellos um die Taten eines Serienkillers. Außer ihm glaubt allerdings niemand an einen Zusammenhang der Straftaten.

Ich fand Heck ganz sympathisch, werde die Serie aber nicht weiter verfolgen. Der Autor verbringt für meinen Geschmack zu viel Zeit damit, Prügeleien und Auseinandersetzungen bis ins letzte Detail zu beschreiben, das ist nichts für meine Nerven. Außerdem wurde die Handlung immer unglaubwürdiger. Heck gerät ständig in körperliche Auseinandersetzungen und bleibt teilweise schwer verletzt zurück. Während Normalsterbliche das nächste Krankenhaus aufsuchen würden (vielleicht sogar im Krankenwagen) reicht es Heck, die Zähne zusammenzubeißen und weiterzumachen. Fazit: Nicht empfehlenswert.

David Baldacci // Will Robie-Serie
6 „Der Killer”
7 „Verfolgt“
Und noch eine neue Serie. Sie spielt in Amerika und dreht sich um den Auftragskiller Will Robie, der seine Aufträge unter anderem von der amerikanischen Regierung erhält. Er DER Auftragskiller für hoffnungslose Fälle. Sein Ruf eilt ihm voraus. Als wir ihn treffen, begeht er gerade den ersten Fehler in seiner Karriere: Er lässt seine Zielperson am Leben, nachdem ihm Zweifel an seinem Auftrag kommen.

Wie das so ist, wenn man als Auftragskiller seinen Job nicht vernünftig macht – kennt man ja: Plötzlich ist Robie selbst das Ziel und muss um sein Leben fürchten. Im Laufe der Handlung trifft er die 14jährige Julie Getty, die ausgerissen ist und den Mord an ihren Eltern aufklären möchte. Die beiden tun sich zusammen und ergeben ein erstaunlich sympathisches Gespann. Tatsächlich ist es Julie zu verdanken, dass ich nicht nur am Ball geblieben, sondern auch gleich die zweite Folge konsumiert habe.

Fazit: Gar nicht so schlecht, aber ich bin noch nicht sicher, ob ich weiter dran bleibe. Erst einmal bin ich umgestiegen.

8 Deborah Feldmann „Überbitten”
Nachdem ich im vergangenen Jahr „Unorthodox” regelrecht verschlungen habe, hat mich natürlich auch die Fortsetzung von Deborah Feldmanns Biographie brennend interessiert. „Überbitten” schließt zeitlich nahtlos an. Wir begleiten Feldmann auf ihrem Weg in ein freies Leben, nachdem sie die ultraorthodoxe chassidische Gemeinde der Satmarer Juden in Williamsburg verlassen hat. Sie beschreibt eine Zeit des Ankommens und vor allem die Suche nach der eigenen Identität, die sie quer durch Europa und schließlich nach Berlin führt.

Es fällt mir schwer, etwas über das Buch zu sagen. Ich war wieder gefesselt und habe es in einem Rutsch durchgelesen; nach zwei Tagen war ich durch. Ich kann Überbitten empfehlen, kann aber nicht erklären, warum.

9 Robert Merle „Der Tod ist mein Beruf”
Dann doch noch mal schwere Kost. Merles biografischer Roman stützt sich auf das Tagebuch des Lagerkommandanten Rudolf Höß, der maßgeblich an der Errichtung der Vernichtungslager in Auschwitz und damit an der Industrialisierung des Tötens in der NS-Zeit beteiligt war. Wir erfahren etwas über seine Kindheit, die er im Schatten eines autoritären Vaters verbrachte, über seine Sozialisation, über seine Art, zu denken.

Es war keine einfache Lektüre für mich. Immer wieder blieb mir einfach der Atem weg, wenn schwer zu ertragende Fakten detailliert und nüchtern wiedergegeben wurden. Merle lässt mich die Perspektive des Täters einnehmen und führt mich auf diese Weise ganz nah ran ans Geschehen. Gleichzeitig lässt er mich Höß’ (im Buch heißt er Lang) Distanziertheit zu seinen Taten gespürt, die er ja im Namen eines höheren Ziels und als Empfänger von Befehlen sachlich und akribisch ausführt.

Ich habe ein bisschen gegoogelt und mir unter anderem einen Auszug aus einem Psychogramm zu Höß durchgelesen. Dort wird Höß nicht als Sadist beschrieben: „Das Paradoxe an Höß war […], dass er nicht der sadistische, rohe und brutale Massenmörder war. Vielmehr war er eher durchschnittlich, kleinbürgerlich, keineswegs bösartig, mit vielen Sekundärtugenden wie Ordnungsliebe, Pflichtbewusstsein und Naturverbundenheit ausgestattet.” (Wikipedia, September 2017)

Ich brauche jetzt erst mal eine Pause, bevor ich mich einem weiteren Roman zu diesem Thema zuwende. „Die Wohlgesinnten” von Jonathan Littell liegt allerdings schon bereit.

10 Dan Wells „Ich bin kein Serienkiller“
Leider nein, leider gar nicht! Nach einem vielversprechenden Anfang hab ich ganz fix wieder aufgegeben. Was in keinem Klappentext zu finden ist: Es handelt sich nicht um einen Thriller, sondern um Fantasy. Hätte man mir das vorher gesagt, hätte ich gar nicht erst angefangen.

11 Martin Schult „Dem Kroisleitner sein Vater“
Ein Krimi um Polizeiobermeister Frassek, der irgendwie keinen Vornamen zu haben scheint. Ich oute mich jetzt mal als glühende Fänin von Alpen-Krimis! Diese verschrobenen Vögel mit ihrer nüchternen Sichtweise auf die Welt und ihre Mitmenschen bringen mich immer wieder zum Lachen.

Wir befinden und in einem winzigen Dorf in der Steiermark. Dem Kroisleitner sein Vater ist tot. Und das, wo er noch topfit war mit seinen 104 Jahren! Polizeiobermeister Frassek, seineszeichens Berliner und als Tourist im Dorf unterwegs, gerät zunächst als Verdächtiger in den Fokus der Ermittlungen, bis er sich selbst an der Aufklärung des Falls beteiligt.

Ich wurde von einer stimmigen Geschichte richtig gut unterhalten. Der Fall nimmt immer wieder überraschende Wendungen. Ständig dachte ich: Jetzt hab ich alles durchschaut! Hatte ich dann aber doch noch nicht.

Ich weiß nicht, ob der Frassek in Serie gehen wird. Aber ich hoffe es. Also: Klare Leseempfehlung.

12 Andreas Winkelmann „Housesitter“
Stell dir vor, du kommst aus dem Urlaub zurück und merkst, dass in deiner Abwesenheit ein Fremder in deine Wohnung eingezogen ist. Und der versucht nun, auch den Rest deines Lebens zu stehlen – vor allem deine Lebensgefährtin. Das klang für mich nach einer spannenden Idee, darum hab ich dem Housesitter eine Chance gegeben.

Die Lektüre war dann aber mehr als enttäuschend. Ein Lektor hätte den ein oder anderen groben Schnitzer verhindern können. So wird unser Täter als penibel, pedantisch und ordnungsliebend beschrieben. Schmutz und Unordnung erträgt er nicht. Trotzdem hinterlässt er in allen Häusern und Wohnungen, in die er ungebeten einzieht, vor allem Schmutz, nicht gespültes Geschirr und geöffnete Ravioli-Dosen in Regalen.

Unlogisch auch, dass er seine Entscheidungen spontan aus dem Augenblick heraus trifft. Wer sich ein neues Leben stehlen will, geht da sicherlich überlegter vor. Und gibt auch nicht so schnell auf, wenn es erste Probleme gibt. Aber was weiß ich schon davon? Ich hab die Lektüre beendet, kann sie aber nicht empfehlen. Sollte Winkelmann sich an einem zweiten Thriller versuchen, werde ich mir dreimal überlegen, ob ich da zugreife. Gibt ja genug anderes zu lesen.

13 Andreas Gruber // Peter Hogart-Reihe
„Die schwarze Dame“
Da suche ich extra für meinen Besuch in Österreichs Hauptstadt einen Wien-Krimi heraus – und dann reist der Protagonist gleich zu Beginn nach Prag. Und bleibt dort. Die ganze Zeit über. Was ist das denn für ein Kack? Ich bin trotzdem drangeblieben, weil Peter Hogart so sympathisch ist. Und weil Prag ja auch eine schöne Stadt ist. Hogart ist Privatermittler und arbeitet für Versicherungen, die ihn losschicken, um Betrugsversuche aufzudecken.

Wir begleiten ihn also nach Prag, wo er zunächst nach einer Kollegin sucht, die spurlos verschwunden ist. Schon mit seinen ersten Auftritten in zwielichtigen Prager Etablissements macht er sich Feinde. Sowohl in Verbrecherkreisen als auch bei der Polizei. Er lernt die Privatdetektivin Ivona Markovic kennen, die ihrerseits auf der Suche nach einem Serienmörder ist. Wie es der Zufall so will, hängen die Fälle der beiden zusammen. Und so ermitteln sie schließlich gemeinsam.

Was soll ich sagen: Ich wurde gut unterhalten und habe mich gleich an Hogarts zweiten Fall gemacht. Der spielt diesmal wirklich in Wien. Aber dazu nächsten Monat mehr.

14 Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege”
Wir sind bei Teil drei der neapolitanischen Saga angelangt. Irgendwie tut sich nicht mehr viel und meine Euphorie, die sich nach dem ersten Band aufgebaut hatte, ist verflogen. Die Freundschaft der beiden Protagonistinnen entwickelt sich einfach nicht weiter, sie bleiben in ihren Rollen gefangen. Ich habe mitten in der Lektüre schon überlegt, ob ich den vierten Band, der im kommenden Frühjahr erscheinen soll, überhaupt noch lesen möchte.

Da war ich ein wenig zu voreilig, denn im letzten Drittel der „Geschichte der getrennten Wege” gibt es eine für mich unerwartete Wendung. Und am Schluss sogar einen Cliffhanger. Für mich ganz klar: Jetzt will ich wissen, wie das ganze ausgeht. Unbedingt. Also: Wem die ersten beiden Teile gefallen haben, sollte den dritten nicht auslassen und sich auf den vierten vorbereiten. Dann ist aber auch gut.

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