Die Frau im Spiegel

Drei Frauen aus drei Epochen auf der Suche nach sich selbst. Sie können unterschiedlicher nicht sein, doch allen gemeinsam ist die Lust zu Leben und die Rebellion gegen ein Dasein aus zweiter Hand.“ – Der Klappentext von „Die Frau im Spiegel“ liest sich wie die Ankündigung eines typischen Frauenromans. Also genau mein Geschmack (NICHT!!!). Wenn aber Eric-Emmanuel Schmitt der Autor ist, kann ich nicht anders, als dem Ganzen eine Chance zu geben.

Dummerweise ist es dann doch so ein typischer Frauenroman. Drei Geschichten von drei Frauen – Anne, Hanna und Anny – aus drei Epochen, die abwechselnd erzählt werden. Vorhersehbar, ohne Überraschung mit schlecht gezeichneten Charakteren. Von Schmitt erwarte ich deutlich mehr! Wie schon in „Als ich ein Kunstwerk war“ schwingt er die Moralkeule und lässt sich über den Verfall der Sitten und die verwerfliche Sensationsgeilheit der Gesellschft aus aus. Dabei ist er polemisch, in seiner Argumentation platt und aufdringlich.

Vor allem die Geschichte der Schauspielerin Anny, die zur heutigen Zeit in Los Angeles spielt, ging mir auf den Keks. Auf „Eric-Emmanuel-Schmitt.com“ lernen wir über sie: „Anny, der aufgrund ihres Talents eine glänzende Karriere als Schauspielerin bevorsteht, ist dabei, gegen das System Hollywood zu revoltieren.“ Äh… Ja. Genau. Schmitt macht Anny dafür zu einem klischeehaften Hollywood-Sternchen: Eine Nymphomanin mit krassem Drogenproblem, umgeben von herzlosen Regisseuren, mit denen sie ins Bett steigt, und skrupellosen Managern, die noch nicht einmal davor zurückschrecken, ihren Entzug in der Klinik als Livestream ins Netz zu stellen. BÖSES HOLLYWOOD!!!

Zwischen den Zeilen kotzen dem Leser auf jeder Seite Sätze wie „Was ist bloß aus der Gesellschaft geworden?“ oder „Was haben die Medien bloß aus uns gemacht?“ und „Wie soll das noch enden?“ entgegen. Zum KOTZEN. Dazu kommen noch jede Menge logische Fehler in der Geschichte (hat der Lektor da gepennt?). Der Höhepunkt des schlechten Geschmacks: das Finale, in dem die drei Erzählstränge zusammengeführt werden. Äh… Ja. Das war dann doch nicht so vorhersehbar. Es hat sich angefühlt, als hätte Schmitt einfach nicht gewusst, wie er die Geschichten sonst zu Ende bringen soll. „Och, dann verbinden wir sie mal.“

Ich habe den Roman bis zum bitteren Ende gelesen. Zum Einen, weil es Wochenende war und ich nichts anderes da hatte. Zum Anderen, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass das alles sein soll. Herr Schmitt, bitte: keine Frauen-Kitsch-Gesellschaftskritik-Romänchen mehr! Schreiben Sie wieder Theaterstücke!!!

Fazit: absolut nicht lesenswert. In Zukunft werde ich dreimal überlegen, bevor ich zugreife, nur weil Schmitt auf dem Cover steht.

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