Der Sumpf

Ein neuer Katzenbach für mich – ein alter Katzenbach für John Katzenbach. „Der Sumpf“ erschien schon 1992; im Original unter dem Titel „Just Cause“. Ich habe ihn jetzt erst gelesen. Beziehungsweise: Gehört. Als Hörbuch. Ungekürzt. Gelesen von Uve Teschner.

An die blumige Sprache war ich nach „Der Psychiater“ schon gewöhnt. So zu schreiben ist ganz offensichtlich keine neue Fähigkeit sondern viel mehr eine lang trainierte Gewohnheit des Autors. Woran ich mich tatsächlich erst gewöhnen musste war die Welt, in der die Menschen in diesem 1992 lebten: Völlig hinter dem Mond. Immer wieder beim Lesen dachte ich: „Voll unlogisch! Kann der doch einfach googeln!“ Nein, kann er 1992 eben nicht. Nicht im Internet und schon gar nicht auf dem Smartphone. Und: Nein. Mal eben eine SMS schicken kann er auch nicht.

Es dauerte also einige Zeit bis ich verstand, wieso die Nachricht aus der Todeszelle, die den ganzen Fall ins Rollen bringt, ganz klassisch per Post auf dem Schreibtisch des Reporters Matt Cowart landet: Es gibt im Grunde keinen anderen Weg der Nachrichtenübermittlung. Hat man das einmal verstanden, ist der Rest gar nicht mehr so kompliziert: Robert Earl Ferguson wurde zum Tode verurteilt, weil er ein elfjähriges Mädchen brutal ermordet haben soll. Für Richter und Jury ist er eindeutig schuldig. Für Ferguson, seines Zeichens Afroamerikaner, stellt sich die Geschichte anders dar. Er sieht sich als Opfer von Rassismus und Korruption.

Matt besucht Ferguson in der Todeszelle und erfährt, dass das Geständnis, das für die Verurteilung gesorgt hat, aus Ferguson herausgeprügelt wurde. Damit nicht genug: In der Nachbarszelle im Todestrakt sitzt Blair Sullivan, ebenfalls zum Tode verurteilt. Er ist ein geständiger Massenmörder, der ebenfalls auf seine Hinrichtung wartet. Und er behauptet, auch den Mord begangen zu haben, für den Ferguson nun im Todestrakt sitzt. Matt nimmt sich der Sache an, schreibt einen Artikel, bekommt den Pulitzer Preis und wird als Held gefeiert, nachdem er es mit Hilfe seines Artikels schafft, denn Fall Ferguson neu aufzurollen. Wer mehr Inhalt will, muss ab jetzt selbst lesen. Entweder im Roman selbst oder bei Wikipedia.

„Der Sumpf“ war mein letzter Katzenbach. Die Story war ganz ok, aber sie hätte deutlich verkürzt werden können. Ich habe mich oft gelangweilt. Die langatmige Einführung jedes einzelnen Charakters fand ich schon bei „Der Psychiater“ grenzwertig. Diesmal ging sie mir so tierisch auf den Keks, dass ich das nicht noch einmal mitmachen möchte. Vor allem, weil Katzenbach bei sich selbst klaut. Moth heißt diesmal Matt, Andrea, genannt Andy die versucht, eine Vergewaltigung zu verarbeiten, heißt diesmal Andrea, genannt Andy und versucht, eine Vergewaltigung zu verarbeiten. Und überhaupt: Das Thema Selbstjustiz ist auch diesmal wieder ganz weit vorn.

Mein Fazit: Katzenbach hat durchaus seine Qualitäten. Ich weiß sie allerdings nicht zu schätzen. Darum lautet mein Urteil: Langweilig. Kann man lesen. Mehr von ihm muss aber nicht sein.

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