Das Wetter vor 15 Jahren

Ich habe keine gewöhnliche Liebesgeschichte von Wolf Haas erwartet. Auf „Das Wetter vor 15 Jahren“ war ich trotzdem nicht vorbereitet: ein Interview. Von der ersten bis zur letzten Seite. Wolf Haas im Dialog mit der „Literaturbeilage“. Thema: eben dieser Roman – „Das Wetter vor 15 Jahren“. So was kann auch nur dem Haas einfallen.

Nach der ersten Enttäuschung hab ich angefangen zu lesen. Voller Vorurteile: ‚Ok, das ist ja ganz nett, aber ob ich das bis zum Ende durchhalte, weiß ich nicht.‘ Nach der zweiten Seite hab ich angefangen, zu glauben, dass es tatsächlich funktionieren könnte. Spätestens nach der zehnten Seite war ich überzeugt: geiler Scheiß!

Neben der Liebesgeschichte von Anni und Vittorio wird beiläufig Haas‘ Stil seziert. Warum hat er an dieser oder jener Stelle eben dieses und nicht jenes Detail betont? Warum hat der Lektor jenes zugelassen? Welcher Part des Romans basiert auf der wahren Begebenheit – welcher wurde hinzugedichtet? Usw.

Ein Auszug:

Wolf Haas: Ehrlich gesagt hat mir der Lektor da sogar einige Seiten weggestrichen. Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig, das sind für mich sehr verlockende Texte.
Literaturbeilage: Das merkt man.
Wolf Haas: Aber es ist ja nicht nur meine Vorliebe für –
Literaturbeilage: – für’s Zählen –
Wolf Haas: Haha, für bedeutungsfreie Textpassagen. Mein Gott, die Leute fahren mit dem Motorrad wochenlang durch die Wüste, das versteht jeder. Da geben sie noch Geld dafür aus! Aber ein paar Buchseiten mit einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, da wird man gleich für wahnsinnig erklärt.

Fazit: Absolut lesenswert!