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Tödlicher Mittsommer

Bei meiner Suche nach einer neuen Krimiserie bin ich auf „Tödlicher Mittsommer“ von Viveca Sten gestoßen. Es handelt sich hierbei um den ersten Fall für Kommissar Thomas Andreasson. Und meinetwegen kann es gerne der letzte bleiben. Damit habe ich natürlich mein Fazit vorgezogen: Ich halte diesen Schund für absolut nicht lesenswert. Aber Sten zeigt mit ihrem literarischen Erguss, wie wichtig so ein Spoiler manchmal sein kann. In ihrem Fall hätte ein Fazit gleich zu Beginn mir die quälende Lektüre eines schlecht geschriebenen und zusätzlich schlecht übersetzten Krimis erspart. Wem dieser Input von mir schon reicht, kann an dieser Stelle aufhören zu lesen und auf den Kauf des Buchs verzichten. Wer mehr Details möchte, möge hier weiterlesen.

In Schulbuchaufsatzmanier erklärt uns die Autorin, worum es geht – nämlich, dass auf der Schäreninsel Sandhamn eine Leiche angespült worden ist. Die liegt da jetzt am Strand, ein Tau um die Brust geknotet. Das Tau gibt Emittler Andreasson und seinem Team keinerlei Rätsel auf: Niemand findet es ungewöhnlich. Das ist seltsam, weil eben dieses Tau sehr viel Platz in der Erzählung erhält. Nun gut. Was für alle nach einem Unfall aussieht – der Mensch ist halt irgendwo über Bord gegangen und ertrunken (mit einem Tau um die Brust?!?) – entpuppt sich dann aber doch als Waschechter Kriminalfall: als nämlich eine zweite Leiche auf Sandhamn gefunden wird. Es ist die Leiche der Cousine des ersten Opfers. Mit ihr hatte der Kommissar kurz vor ihrem Tod noch gesprochen.

Langsam setzt sich die Ermittlung in Gang. Dilettantisch gehen sie vor – was aber daran liegen kann, dass die Autorin offensichtlich keine Ahnung von Polizeiarbeit hat. Sie scheint nicht einmal regelmäßig Krimis zu lesen. Es reicht schon, hin und wieder einen Tatort zu schauen, um die Handlung in der Luft zu zerreißen. Vielleicht ist es aber auch der bereits erwähnte schreckliche Schreibstil, der sie daran hindert, sich richtig auszudrücken. Ihr Lieblingsstilmittel ist übrigens der Cliffhanger. Wäre natürlich wirksamer, wenn die Handlung, die sie unterbricht, wirklich spannend wäre.

Apropos Handlung unterbrechen: Das passiert ständig. Und warum? Damit wir etwas über das schwere Schicksal von Thomas Andreasson erfahren. Der hat es wirklich schwer gehabt. Schlimm. Der Arme. Die andere Hälfte der Zeit erfahren wir etwas über seine beste Freundin Nora. Die ist von Beruf Bilderbuchmutter und nebenbei erfolgreiche Juristin bei einer Bank. Ihr Chef ist ein Arsch, darum will sie einen neuen Job. Weil aber auch ihr Mann ein Arsch ist wird das mit dem neuen Job wohl nichts werden. Nein, das erfahren wir nicht nebenbei. Das erfahren wir in aller Ausführlichkeit inklusive der dazugehörigen Auseinandersetzungen zwischen Gattin und Gatte.

Schließlich wird der Fall gelöst (sorry für den erneuten Spoiler – aber damit war ja zu rechnen). Und wie? Indem das alles entscheidende total wichtige den Fall lösende Indiz, das alle schon nach wenigen Seiten auf die richtige Fährte hätte führen können, erst ganz kurz vor Schluss gefunden wird. Immerhin von der Polizei. Allerdings an einer Stelle, an der sie schon gesucht hatte. Das alles entscheidende total wichtige den Fall lösende Indiz ist schlichtweg übersehen worden. Dabei war es nicht einmal gut versteckt. Das hat mir dann den Rest gegeben. Für mich gibt es keinen Grund, weiter Zeit mit Thomas Andreasson zu verbringen. Fazit: s.o.

Grablichter

Ich hatte „Blaues Gift“ kaum zugeklappt, da habe ich schon „Grablichter“ in der Hand gehalten. Auch der vierte Fall für Pia Korittki erhält meine Empfehlung: Lesenswert. Alles beginnt mit dem heimtückischen Mord an einer Journalistin. Oder mit einer Leiche ohne Kopf, die zufällig bei Probebohrungen gefunden wurde – und vermutlich schon 25 Jahre in ihrem Grab lag. Und so weiter und so weiter. Die Handlung von Krimis wiedergeben ist bekanntermaßen nicht mein Ding. Ich widme mich lieber dem nächsten Fall von Frau Korittki. Vorher aber verbringe ich ein wenig Zeit mit Rebekka Holm. Die will ich nicht vernachlässigen.

Blaues Gift

„Blaues Gift“ ist der dritte Fall für Pia Korittki. Sie ermittelt in einem Giftmord. Parallel dazu verschwindet ihre Schwägerin und lässt Pias Bruder und ihre Nichte zurück. Der Fall ist gut konstruiert. Ebenso die Überleitung zu Pias Privatleben und einem wohlgehüteten Familiengeheimnis, dem die Ermittlerin im Laufe der Handlung auf die Spur kommt.

Ich habe schon „Grablichter“ auf dem Nachttisch liegen, darum will ich gar nicht mehr schreiben. Wie schon bei „Kalter Grund“ und „Engelsgrube“ lautet mein Urteil für diesen Krimi: Lesenswert.

Kalter Grund

Nachdem ich vorerst fertig bin mit Pia Kirchhoff habe ich mir eine neue Pia gesucht: Pia Korittki. Auswahlkriterium für die neue Ermittlerin war unter anderem die Tatsache, dass die Dame inzwischen schon zehn Fälle gelöst (oder zumindest bearbeitet) hat. Wenn ich mich schon an jemanden gewöhne will ich auch ne Weile was von der Person haben. Eva Almstädts Reihe schien mir da geeignet zu sein.

Nach kurzer Zeit hatte ich allerdings den Eindruck, dass ich gar nicht so viel Zeit mit Pia Korittki würde verbringen wollen. Sie kam mir naiv vor und war irgendwie unsympathisch. Das Setting gefiel mir auch nicht: Pia ist neu in einem Team von Kollegen, die ihr die ganze Zeit das Leben schwer machen, weil sie Pia nicht leiden können und ihr nichts zutrauen. Außerdem ist sie die einzige Frau – schon deshalb wird sie nicht ernst genommen. Das fand ich sehr anstrengend. Die Krönung des Ganzen bildete dann die Tatsache, dass Pia mit einem der größten Ekel aus dem Kollegenkreis (für mich) völlig unerwartet im Bett landet.

Der Fall war jetzt auch nicht sonderlich aufregend: Drei Tote auf einem Bauernhof. Ein ganzes Dorf wird in Angst und Schrecken versetzt. Für die Ermittlungen müssen Pia und jener ekelhafte Kollege, der sie später verführen soll, in ein Hotel in dem holsteinischen Dorf ziehen. Im Laufe dieser Ermittlungen verschwindet ein Mädchen – und plötzlich fand ich doch alles ganz schön spannend. Ich habe mich festgelesen und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und auch Pia fand ich gar nicht mehr so blöde.

Das Setting – Pia wird von ihren Kollegen nicht ernst genommen – ist entgegen meiner Befürchtung nicht starr, sondern entwickelt sich. Sehr entspannend. Ich habe mir schon vorgestellt, wie diese Grabenkämpfe über zehn Folgen lang ausgedehnt werden und in unglaubwürdige Dimensionen abdriften. Am Ende fand ich, dass Pia eine bodenständige Frau ist. Grundsätzlich selbstbewusst, lässt sich aber doch immer wieder verunsichern. Ihre inneren Kämpfe sind realistisch, ich konnte vieles gut nachempfinden.

Der Fall schließlich bleibt bis zum Ende unvorhersehbar. Die Auflösung wiederum nachvollziehbar. Insgesamt lautet mein Urteil: Absolut lesenswert. Ich freue mich schon darauf, mehr Zeit mit Frau Korittki zu verbringen.

Nele Neuhaus

Ich hab sie jetzt komplett durch, die Krimireihe um die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff aus der Feder von Nele Neuhaus: „Eine unbeliebte Frau“. „Mordsfreunde“. „Tiefe Wunden“. „Schneewittchen muss sterben“. „Wer wind sät“. „Böser Wolf“. Und schließlich auch den neuesten Fall: „Die Lebenden und die Toten“. Mehr gibt’s noch nicht. Sollte es einen nächsten Fall für die beiden geben, werde ich den vermutlich auch lesen. Und ich habe keine vernünftige Ausrede dafür – denn so richtig toll finde ich die Geschichten und die Personen nicht. Im Gegenteil: Häufig war ich ganz schön genervt.

Es wird unglaublich viel gestorben im Taunus. Pro Fall ca. sechs Leute. Immer wieder wird was amputiert (Hoden, Hände, …). Es sind immer die ganz heißen Eisen, die direkt in großem Stil angepackt werden: Nicht ein Altnazi, sondern gleich eine ganze Nazidynastie treibt ihr Unwesen. Nicht Kindesmissbrauch, sondern ein ganzer Kinderschänderring wird aufgedeckt. Im neuesten Fall ist es dann die Organspendemafia… Ein einfacher Mord reicht nie. Dazu wird die Moralkeule geschwungen. Und (das ist mit am nervigsten): Es wird unendlich viel genickt. „Bodenstein nickte.“ „Pia nickte.“ „Bodenstein nickte.“ „Alle nickten.“ „Pia nickte.“ Diese Sätze fügt Frau Neuhaus vermutlich mit Hilfe von Tatstaturkürzeln in ihre Romane ein. Bis zum Abnicken. Äh, Abwinken. Ich frage mich gerade, ob ich die einzige bin, der das bisher negativ aufgefallen ist…

Vermutlich geht es mir bei den Fällen von Bodenstein und Kirchhoff wie mit dem Tatort. Den schaue ich jeden Sonntag – und das, obwohl ich häufig enttäuscht werde und gar nicht alle Ermittler mag. Wenn mir jemand eine Verabredung für Sonntagabend vorschlägt, werde ich ganz kribbelig und kann die nicht zusagen. Sonntagabend ist halt Tatort-Zeit. Und ganz egal, wie langweilig oder an den Haaren herbeigezogen eine Geschichte ist: Ich schaue mir jede Folge bis zum bitteren Ende an.

Bodenstein und Kirchhoff sind für mich offenbar zu einem dieser Tatort-Ermittlerduos avanciert, die ich zwar nicht sonderlich mag und die auch nie die interessanten Fälle lösen, die aber zwischen den richtig guten Tatorten die Zeit vertreiben. Und damit auch irgendwie ihre Daseinsberechtigung haben. Vielleicht hat Frau Neuhaus das selbst verstanden und ihrem Ermittlerteam im neuesten Fall deshalb einen nervigen Assistenten an die Seite gestellt. Ist beim Tatort ja auch gerade in Mode gekommen. Ich kann jetzt weder eine Empfehlung für die Lektüre aussprechen (Mia nickte.) noch von ihr abraten (Mia schüttelte den Kopf.). Entscheidet selbst.

Unter Haien

Wie schon so oft wollte ich auch diesmal zunächst fragen: „Was bitte hat der Lektor genommen? Und wo kriegen wir das?“ Aber die Fragen sind überflüssig. Der arme Mensch hat vermutlich nach 80 (von 672) Seiten aufgegeben. „Nele, da musst du noch mal ran. Andere Story, anderer Stil.“ – „Du meinst: Was anderes?“ – „Äh… Ja. Was GANZ anderes.“ Blöderweise wurde dann doch der Ursprungstext verlegt – und der gelangte in meine Hände. Verdammte Scheiße. Frau Neuhaus, ich kann mir einfach nicht erklären, was da passiert ist.

Zum Inhalt: Alex Sontheim sieht FANTASTISCH aus. Sie verdreht nahezu jedem Mann, dem sie begegnet, den Kopf. Sie ist hoch intelligent. Sie ist reich. Sie ist erfolgreich. Sie hat es von Deutschland nach New York geschafft. Und dort schwimmt sie nun mit den anderen Finanzhaien im Haifischbecken der Finanzwelt. Sie freundet sich mit dem Bürgermeister von New York an, dem sie später das Leben rettet. Sie lernt sogar den amerikanischen Präsidenten von Amerika kennen, der – natürlich – schon von ihr gehört hat.

In diese zauberhafte Rosamunde-Pilcher-Welt mischt sich dann die böse Mafia – in Form von Sergio Vitali. Er sieht FANTASTISCH aus. Er verdreht nahezu jeder Frau, der er begegnet, den Kopf. Er ist total gerissen. Er ist stinkreich. Er hat es an die Spitze der Mafia geschafft und kontrolliert von dort skrupellos die Politik, den Drogenhandel und die Finanzwelt. Dieser Mann passt hervorragend zur hochintelligenten (ich muss das noch mal betonen), toughen und erfolgreichen Alex. Nicht wahr? Nein, denn sie ist ja hochintelligent. Und rechtschaffen. Da lässt man sich nicht mit der Mafia ein. Wie auch immer. Die beiden kommen zusammen.

Sergio umwirbt Alex machohaft, betrügt sie mit irgendwelchen Models (und seine Ehefrau mit ihr). Irgendwann erfährt Alex, dass Sergio jemanden hat umbringen lassen. Sie ist völlig außer sich – und bleibt bei ihm. Sie wird von ihm vergewaltigt – und bleibt bei ihm. Sie findet heraus, dass sie von ihrem Arbeitgeber schamlos ausgenutzt und ihre Erfolge für illegale Geschäfte missbraucht werden – und arbeitet weiter dort. Aber sie ist ja so wahnsinnig schlau. Und tough. Und erfolgreich. Und beliebt. Und überhaupt… Die Story nimmt eine Milliarde an den Haaren herbeigezogene Wendungen und wird immer bescheuerter. Alex auch.

Alle paar Seiten gelangt sie zu den gleichen Erkenntnissen: Vielleicht ist Sergio doch nicht so vertrauenswürdig, wie sie dachte (NEIN! Ist er nicht, du dumme Nuss! Er hat jemanden umbringen lasssen!). Vielleicht geht ihr Chef illegalen Geschäften nach (JA! Das hat er dich doch schon längst wissen lassen, als er dir diesen illegalen Bonus angeboten hat!!!). Vielleicht ist Sergio ja doch kriminell. (Äh… WTF? …!) Vielleicht nutzt ihr Chef die Infos, die sie ihm gibt, für illegalen Insider-Handel (Du Trottel hast ihm doch selbst ’ne Falle gestellt um das rauszufinden!!!).

Wie gesagt: Ich hab keine Ahnung, was da passiert ist. Ich weiß nur, was da nicht passiert ist: Recherche, Lektorat, Entwicklung einer sinnvollen Storyline, Entwicklung von glaubwürdigen Charakteren, … Da auf dem Umschlag „Kriminalroman“ und nicht Wirtschaftssatire“ steht, muss ich davon ausgehen, dass das Ganze ernst gemeint ist. Darum kann mein Fazit nur lauten: Nicht lesen. Nicht kaufen. Wenn der Tipp zu spät kommt: Unbedingt wegschmeißen. Bitte auch nicht in diese öffentlichen Büchertauschregale stellen. Auf keinen Fall.

Mordsfreunde

Weil mir mitten in „Unter Haien“ mein Kindle gestohlen worden ist, wollte ich erst mal mit einem anderen Krimi von Nele Neuhaus weitermachen. Nennt mich naiv: Insgeheim hoffe ich vermutlich darauf, dass ich mein Eigentum zurückbekomme und nahtlos weiterlesen kann. Vermutlich werde ich „Unter Haien“ niemals beenden… „Mordsfreunde“ ist der zweite Fall für Kirchhoff und Bodenstein. Nachdem die Kommissare bei „Eine unbeliebte Frau“ viel Zeit auf einem Luxusreiterhof verbringen, verschlägt es sie mit ihrem neuen Fall in den Zoo. Im Heu für die Elefanten wird eine abgetrennte menschliche Hand gefunden. Die ist Auslöser für umfangreiche Ermittlungen in einem Mordfall.

Der zur Hand passende Körper wird auf mehrere Gehege im Zoo verteilt gefunden und zusammengesetzt, bis schließlich der charismatische Lehrer Hans-Ulrich Pauly entsteht. Beziehungsweise seine Leiche. Pauly war engagierter Umweltschützer, von seinen Schülern und Mitstreitern glühend verehrt und von seinen Feinden abgrundtief gehasst. Mordmotive gibt es in ausreichender Zahl. Bodenstein und Kirchhoff ermitteln mit der ihnen eigenen Sorgfältigkeit und Ruhe, aber auch einer guten Portion Intuition. Das finde ich ganz sympathisch, zumal beide sehr unterschiedliche Charaktere sind und ihr Bauchgefühl eher selten übereinstimmt.

In ihrem Aufbau ähnelt die Geschichte stark dem ersten Fall: Es tauchen ständig neue Verdächtige auf, die nach kurzer Zeit wieder entlastet werden. Ich kam gar nicht richtig mit und habe irgendwann fast den Überblick verloren bei den ganzen Namen. Wie so oft, wenn ich Krimis lese, fällt mir auch hier eine Zusammenfassung schwer. Ich muss das mal untersuchen lassen – warum behalte ich nichts von dem, was ich gelesen habe, obwohl ich so großen Spaß beim Lesen habe? Kann in diesem Fall aber auch an der unübersichtlichen Personage liegen, weiß ich nicht.

Sehr gut im Gedächtnis geblieben sind mir allerdings die Schnitzer, die ein Lektor hätte ausbügeln müssen. Ich alte Erbsenzählerin. So was bleibt hervorragend bei mir hängen. Ich hatte schon beim ersten Fall erwähnt, dass der Lektor ein paar Mal gepennt hat, habe aber gehofft, dass nach dem Erfolg ab dem zweiten Fall Schluss damit ist. Weit gefehlt. Tatsächlich lese ich zurzeit schon den dritten Fall und kann versprechen: Es wird sogar noch schlimmer mit den Fehlern.

Um mal ein Beispiel zu nennen: Zu Beginn wird Lehrer Pauly charakterisiert als eine Art Fortschrittsverweigerer, der noch nicht einmal ein Handy hat. Als die Kommissare dann an Paulys Schule auftauchen, um den Kollegen mitzuteilen, dass Pauly tot ist, erfahren sie, dass der Lehrer unentschuldigt fehle und noch nicht einmal auf seinem Handy erreichbar gewesen sei. Ebenfalls schwierig: Nachdem die Hand gefunden wurde, wird gleich ein Mordfall aufgemacht und nach einer Leiche gesucht. Tatsächlich kann ein Mensch auch ohne Hand ganz gut weiterleben. Ein Gerichtsmediziner müsste doch erst mal feststellen, ob die Hand post mortem abgetrennt wurde.

Whatever. Das alles hat mich zwar gestört, aber offenbar nicht so sehr, dass ich die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff aufgegeben habe. Wie bereits erwähnt lese ich zurzeit den dritten Fall der beiden. Der allerdings könnte eine Wende bedeuten. Denn – wie ebenfalls bereits erwähnt – hier gibt es noch mehr Fehler. Und ich bin erst bei der Hälfte angelangt. Für „Mordsfreunde“ kann ich trotz meiner Meckerei eine Leseempfehlung aussprechen.

Eine unbeliebte Frau

Ich habe Nele Neuhaus gestern Vormittag in einer Literatursendung gesehen und fand sie sympathisch. Und während sie im Interview von der Protagonistin ihrer Krimis erzählte überlegte ich, warum ich die nicht kannte. So kam ich zu Pia Kirchhoff. Und zu ihrem Kollegen Oliver von Bodenstein. „Eine unbeliebte Frau“ ist der erste Fall, den die beiden gemeinsam lösen.

Die unbeliebte Frau ist Isabel Kerstner, Ehefrau eines Pferdetierarztes. Ihr Tod soll wie ein Selbstmord aussehen. Das tut er aber nicht. Kirchhoff und von Bodenstein erkennen schnell, dass der Frau gewaltsam ein Ende gesetzt wurde. Verdächtige gibt es dann auch jede Menge – denn die schöne Isabel war eine unbeliebte Frau. Geldgeil, skrupellos und egoistisch, immer auf das eigene Wohl bedacht, hat sie es sich mit vielen Menschen in ihrer Umgebung verscherzt.

Kirchhoff und Bodenstein ermitteln unaufgeregt und sorgfältig. Ich finde schön, wie vorsichtig und unaufdringlich Frau Neuhaus mich mit dem Privatleben der beiden konfrontiert. An einigen Stellen hat wohl der Lektor gepennt. Das hat mich jetzt aber nicht weiter gestört. Ich war sehr überrascht, als der Fall nach noch nicht einmal 4 Stunden Lesezeit schon aufgeklärt war. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich will auch gar nicht so viel darüber schreiben sondern lieber den nächsten Fall lesen.

Mein Fazit: Ein guter Zeitvertreib. Durchaus lesenswert.

Schweinskopf al dente

Ein (für mich) neuer Provinzkrimi mit Kommissar Franz Eberhofer. Gleich zu Beginn lerne ich, dass Eberhofer bisher gar nicht Kommissar war. Er hat erst jetzt seine silbernen Sterne (die im rechten betrachtet Licht sogar golden schimmern) und damit den Dienstgrad des Kommissars erhalten. Na gut. Ich ändere das in den Rezensionen zu „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ jetzt aber nicht mehr ab.

Ich fand es zunächst wieder ausgesprochen witzig, dem Eberhofer bei der Arbeit und dem ganzen Kram, den er sonst so anstellt, zuzulesen. Er ist auch wirklich ein seltsamer Vogel. Der Fall – für mich – mal wieder Nebensache. Allerdings gibt es auch keinen wirklichen Fall. In aller Kürze: Der Bügermeister Moratschek wird bedroht und zieht darum beim Eberhofer seinem Vater (sic!) ein. Die beiden hören die Beatles und die Stones und der Eberhofer ist genervt.

Nebenbei passieren die üblichen Bescheuertheiten: Der Leopold und die Sushi kommen regelmäßig zu Besuch. Leopold schleimt, die alte Schleimsau. Die Sushi lernt sprechen. Mit dem Ludwig wird die tägliche Runde in neuen Rekordzeiten absolviert (sowohl ein neuer Negativ- als auch ein neuer Positivrekord werden aufgestellt). Die Oma geht auf Schnäppchenjagd und kocht hervorragend. Die Susi fehlt dem Eberhofer… Das Übliche eben.

Ein fieser Nachgeschmack ist mir diesmal aber geblieben. Ich finde den Eberhofer inzwischen ziemlich unsympathisch, nachdem er seine ganzen Vorurteile über eine türkische Familie, die im Dorf wohnt, abgelassen hat. Und über den „typischen Italiener“. Und über alle möglichen anderen Themen. Und ich finde es beschissen, dass Rita Falk mich mit seinen Vorurteilen allein lässt – die im Übrigen nichts zur Handlung beitragen. Der Eberhofer ist ihre Erfindung. Und wenn der so eine Scheiße über Ausländer vom Stapel lässt, dann will ich, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Für mich geht es überhaupt nicht in Ordnung, Ausländerfeindlichkeit und widerliche Vorurteile als „charmante Eigenart eines eigensinnigen Sturkopfs aus Bayern“ abzutun. Und darum hab ich beschlossen, dass ich ab jetzt keine Zeit mehr mit dem Eberhofer verbringen möchte. Seine nächsten Fälle muss er ohne mich lösen. Wenn ich so einen Mist lesen will, kann ich mir ja die Bild-Zeitung kaufen. Ist auch billiger. Mein Fazit lautet dementsprechend: Nicht lesenswert.

Dampfnudelblues

Ich wusste mal wieder nicht, was ich lesen sollte. Darum hab ich beschlossen, mal wieder ein wenig Zeit mit Herrn Eberhofer zu verbringen. Und das war mal wieder sehr nett. Ich hab ja bereits verraten, dass ich Dampfnudelblues letztes Jahr im Kino gesehen habe. Um aber in der Chronologie korrekt zu bleiben und nichts zu verpassen, hab ich das Buch trotzdem gelesen. Gut so – denn ich hatte schon ganz viel wieder vergessen.

„Stirb, du Sau!“ steht auf der Hauswand vom Lehrer Höpfl. Und ein paar Tage später ist er tatsächlich tot. An einen Mord glaubt außer dem Eberhofer Franz mal wieder niemand. Darum muss er seine Ermittlungen geheim halten. Er bekommt Unterstützung aus den unterschiedlichsten Richtungen und geht gewohnt unkonventionell vor.

Nebenbei versaut er es sich ordentlich mit der Susi – dabei hatte es doch grad so gut geklappt mit den beiden. Na ja. Dafür erobert er das Herz der kleinen Sushi. Die wiederum ist die Tochter seines ungeliebten Bruders Leopold. Ich mag gar nicht so viel drüber schreiben, lieber gleich den nächsten Band lesen. Schließlich muss ich die Zeit bis zum nächsten Fall von Sebastian Bergmann überbrücken (der erscheint am 15. Oktober. ENDLICH!).

Fazit: Kann man ruhig lesen. Der Eberhofer Franz macht Spaß!