Anekdote #3: „Ach, Sie wollen Feedback?“

Mein Feedback an die Dingens GmbH.
Mein Feedback an die Dingens GmbH.

Vor einer Weile ruft mich ein Headhunter an, der mich auf Xing entdeckt hat, nennen wir ihn Herr F. Er beschreibt eine interessante Stelle, auf die ich gut passen würde. Er schickt mir die Stellenanzeige und bittet mich, ihm meinen Lebenslauf zu schicken. Ich schaue mir die Stellenanzeige an. In der Mail nennt Herr F auch das Unternehmen, um das es geht: Die inhabergeführte Kommunikationsagentur „Dingens GmbH“(*), ca. 30 Mitarbeiter. Der Name weckt vage Erinnerungen in mir. Ich durchsuche meinen Rechner und finde die Verbindung: Im Februar 2010 hatte ich mich dort schon einmal beworben.

Damals wurde ich zu einem Gespräch eingeladen, das meiner Meinung nach ganz gut gelaufen ist. Aber da kann man sich ja leicht vertun (keine Ironie, Anm.). Manchmal sagt man dummes Zeug, schießt sich ins Aus und merkt es überhaupt nicht. Also: Ich gebe keine Garantie dafür, dass es 2010 wirklich gut gelaufen ist. Allerdings überhaupt nicht gut gelaufen – und daran erinnere ich mich sehr gut – ist die Kommunikation mit dieser Kommunikationsagentur. Das hatten wir ja schon. Das Motto „Use what you sell“ legen Agenturen immer nur ihren Kunden ans Herz. Ich habe damals kein Feedback von der Dingens GmbH bekommen. Nach dem Gespräch habe ich trotz zweimaliger Nachfrage (telefonisch („Ach, das dauert noch!“) und per Mail (keine Antwort)) nie wieder von denen gehört.

Ich rufe Herrn F an und erzähle ihm davon. Er findet das nicht kritisch, ich müsse mir da keine Sorgen machen, die hätten das bestimmt schon vergessen. Das ist hochinteressant: Er denkt sofort, dass ich den Fehler bei mir sehe. Die Tatsache, dass ich das Verhalten der Dingens GmbH sehr wohl kritisch finde und mir Sorgen darüber mache, wie man dort mit Bewerbern umgeht, versteht er glaube ich überhaupt nicht. F verspricht mir, das Thema bei der Agentur anzusprechen. Nach ein paar Tagen kommt dann eine Einladung zu einem Gespräch. Bei der Agentur wisse man nicht, was 2010 schief gelaufen sei. Ich würde also „quasi ohne Vorgeschichte“ (O-Ton Herr F) starten können. Seit dem vergangenen Termin hätte sich ja auch einiges in meinem Lebenslauf getan und ich sei inzwischen sicher sehr viel interessanter für die Dingens GmbH als damals. Das ist schon wieder hochinteressant: Offenbar denkt er nicht nur, dass ich den Fehler bei mir sehe, sondern dass der Fehler tatsächlich bei mir liegt. Ich war damals einfach nicht interessant genug. Auf die aktuelle Stelle würde ich jedenfalls ausgezeichnet passen und man möchte mich kennenlernen.

Ich habe in der Zwischenzeit recherchiert und festgestellt, dass ich mir nach wie vor vorstellen kann, bei der Dingens GmbH anzufangen. Kundenstamm, Arbeitsweise und Projekte klingen toll, die Bewertungen auf Kununu sind auch gut. Was auch immer damals passiert ist: Ich bin bereit, das zu vergessen und noch einmal neu anzufangen. Die Agentur „quasi ohne Vorgeschichte“ starten zu lassen. Ich gehe also zu dem Gespräch und finde mich im gleichen Raum wieder wie schon Jahre zuvor. Auch einen der drei Gesprächsteilnehmer kenne ich noch vom ersten Gespräch. Er startet auch gleich mit „Frau Colt, Sie waren ja schon einmal hier“. Also rede ich kurz darüber, wie es sich damals angefühlt hat, einfach keine Antwort zu bekommen. Ich mache deutlich, dass ich mich seinerzeit sehr geärgert habe. Man äußert Verständnis: Das sei ja auch absolut nicht in Ordnung und keinesfalls der Normalfall bei der Dingens GmbH.

Der Rest des Gesprächs läuft sehr professionell. Wir reden über die Agentur, über mich, über die Stelle, über die Kunden, über die Projekte, über den Kickertisch im Vorraum (ich spiele vorne, Anm.) … Ich fühle mich wohl dort und denke: „Ja, hier kann man es wirklich aushalten.“ Beim Abschied bekomme ich das Versprechen, innerhalb von vier Wochen (es gab irgendeinen plausiblen Grund für den langen Zeitraum, den weiß ich aber nicht mehr, Anm.) ein Feedback zum Gespräch zu erhalten: „Wir melden uns in den kommenden vier Wochen bei Ihnen.“ Aufgrund unserer Vorgeschichte gehe ich fest davon aus, dass diese Frist penibel eingehalten werden wird. Ich Trottel.

Die vier Wochen verstreichen und ich höre gar nichts. Weder von Herrn F, noch von der Agentur. Nach sechs Wochen schreibe ich F eine Mail und frage nach dem Status. Er antwortet sofort: Er sei überrascht, dass die Agentur sich nicht bei mir gemeldet hätte. Das Feedback zum Gespräch war grundsätzlich positiv, aber bei der Dingens GmbH habe man sich dazu entschlossen, meine Bewerbung „nicht weiter zu verfolgen“. Das schließt wohl das Feedback an mich mit ein, oder was? Ich werde sauer. Mit einer Absage kann ich leben, nicht aber mit dem Arschlochs-Verhalten der Agentur. Wir haben eine Vorgeschichte, wir haben das Thema besprochen, ich habe deutlich gemacht, wie sehr ich mich damals geärgert habe – und man hat mir versprochen, dass es diesmal anders laufen würde! Ich verfasse eine Mail, in der ich meinem Ärger Luft mache. Diesmal nicht für die Schublade. Ich schreibe die drei Gesprächsteilnehmer in den Verteiler klicke auf „senden“:

„Hallo zusammen,

ich war zu einem Vorstellungsgespräch bei Ihnen; es ging um die Stelle XY. Inzwischen habe ich erfahren, dass Sie sich gegen eine Zusammenarbeit mit mir entschieden haben. Um diese Info zu bekommen, habe ich bei Herrn F nachfragen müssen.

Um gleich zur Sache zu kommen: Ich ärgere mich über Ihr Verhalten. Ich kann damit leben, dass Sie sich gegen mich entschieden haben. Das ist kein Problem. Aber dass Sie sich nicht bei mir gemeldet haben, um mir das zu sagen – genau wie bei unserem ersten Gespräch im März 2010 – das finde ich hochgradig unprofessionell. Vor allem, nachdem ich das Thema während unseres Termins angesprochen habe. Ich hatte Ihnen gesagt, dass ich zunächst gar keinen Termin mit Ihnen haben wollte, weil ich mich schon 2010 darüber geärgert habe, dass ich auch auf meine Nachfrage hin keine Reaktion von Ihnen bekommen habe. Nur der Zuspruch von Herrn F hat mich dazu gebracht, es noch einmal mit Ihnen zu versuchen. Und die Tatsache, dass die Aufgabenbeschreibung für die ausgeschriebene Stelle wirklich gut klang.

Sie waren zu dritt in dem Termin – und nicht einer von Ihnen hält es für nötig, mich kurz anzurufen oder wenigstens eine kurze Mail zu schreiben um mir mitzuteilen, dass Sie nicht mit mir zusammenarbeiten wollen? Oder Ihre Office Managerin darum zu bitten, das zu tun? Für so etwas gibt es doch Textbausteine! Ich weiß nicht, wie ich Ihr Verhalten interpretieren soll. Vielleicht ist hängt es mit mir persönlich zusammen, vielleicht ist es symptomatisch. Ich finde es respektlos. Genau wie Sie habe ich mir Zeit für den Termin genommen. Vielleicht sogar etwas mehr, denn ich hatte die Anreise aus Köln. Ich habe mir einen halben Urlaubstag für den Termin genommen. Ich habe mich auf das Gespräch vorbereitet. Darum habe ich doch zumindest eine Info verdient, nachdem Sie Ihre Entscheidung getroffen haben.

Vermutlich ist Ihnen egal, was ich von Ihrem Verhalten halte. Wir werden ja nicht zusammenarbeiten. Aber mir geht es besser, nachdem ich Dampf abgelassen habe. In diesem Sinne: Alles Gute.

Mia Colt“

Die Antwort kommt prompt, nicht mal einen Tag dauert es diesmal:

„Hallo Frau Colt, Vielen Dank für die Mail.

Erst einmal tut es uns leid, dass dieser negative Eindruck von uns entstanden ist. Doch eigentlich war mit Herrn F und seinem Kollegen G besprochen worden, die Kommunikation in der Regel über die Headhunter-Firma laufen zu lassen, nur bei einem Kandidaten lief das über uns, vermutlich gab es in Ihrem Fall ein Missverständnis. Ich habe dazu Herrn F kontaktiert und warte hier auf Feedback.

Ich hatte jedenfalls unser Feedback auf das Gespräch Herrn F zwei Tage nach unserem Gespräch schriftlich und dann noch mal mündlich mitgeteilt. Der Inhalt des Feedbacks war, dass wir einen guten, angenehmen, smarten Eindruck von Ihnen hatten, uns das grundsätzlich vorstellen können, aber ihr fachlicher Schwerpunkt mit Fokus auf Online/Social Media/IT-Projekten nicht das ist, was wir suchen. Dass wir uns aber vorstellen können, mit Ihnen für mögliche andere Aufgaben in Kontakt zu bleiben (was sich ja jetzt vermutlich erledigt hat…).

Uns ist bewusst, dass Sie hier Zeit und Mühen investiert haben und daher tat es uns um so mehr leid, dass die Kommunikation hier wieder nicht geklappt hat… Entschuldigung.

Ihnen wünschen wir alles Gute“

Hach, schön. Ich hatte übrigens schon viele Bewerbungsgespräche, nach denen ich einfach überhaupt nichts mehr gehört habe. Wenn ich nachzähle, komme ich sicherlich auf zehn oder mehr. Das finde ich grundsätzlich – sorry – beschissen, aber ich habe mich fast schon daran gewöhnt und resigniert. In diesem speziellen Fall bekommt das Thema eine andere Dimension, weil wir es mit einem „Wiederholungstäter“ zu tun haben. Vielleicht liegt es am Ende doch an mir und meinem Wahnsinn, das gleiche zu tun und ein anderes Ergebnis zu erwarten. Ich lasse das mal so stehen.

___

(*) Wie angekündigt werde ich, um niemanden persönlich in die Pfanne zu hauen, in meinen Bewerberstories keine Namen nennen. Weder von Unternehmen und Personen noch von Städten. Auch die Titel der Jobs, auf die ich mich jeweils beworben habe, werde ich nicht nennen, um die Recherche zu erschweren.

2 Gedanken zu „Anekdote #3: „Ach, Sie wollen Feedback?“

  1. Hallo Mia,
    ich kann deinen Ärger verstehen (diese Null-Feedback-Nummer ist mir auch schon passiert), aber in diesem Fall ist wohl eher der Headhunter derjenige, der deine Wut nochmal abbekommen sollte. Du hattest deine Bedenken klargemacht, die Agentur hat sich m.E. danach auch vorbildlich verhalten; missverständlich war wohl nur geregelt, wer wann was an wen kommuniziert. Auch wenn die Agentur sich natürlich direkt bei dir melden könnte (wäre ein feiner Zug) – Herr F hat’s verbockt, indem er dich im Regen stehen liess. Und leider ist das unter Headhuntern nicht unüblich, dass sie das Interesse verlieren, sobald sich mit dir potentiell kein Geld mehr verdienen lässt.

  2. Hi Anja, vielen Dank für deinen Beitrag. Ich war auf beide Seiten gleich sauer – nach unserer Vorgeschichte hätte die Agentur sich auch anders verhalten können. Vor allem der Satz „Wir melden uns in den kommenden vier Wochen bei Ihnen“ hätte anders formuliert werden müssen, wenn er nicht so gemeint war.

    Aber das ändert alles nichts. Wie gesagt: Es ist nicht das erste Mal, dass ich nichts mehr höre, nachdem ich bereits zum Gespräch vor Ort war. Wir Bewerber müssen wohl auch was Feedback angeht an unseren überzogenen Ansprüchen arbeiten.

    Lieben Gruß!

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