Mordsfreunde

Weil mir mitten in „Unter Haien“ mein Kindle gestohlen worden ist, wollte ich erst mal mit einem anderen Krimi von Nele Neuhaus weitermachen. Nennt mich naiv: Insgeheim hoffe ich vermutlich darauf, dass ich mein Eigentum zurückbekomme und nahtlos weiterlesen kann. Vermutlich werde ich „Unter Haien“ niemals beenden… „Mordsfreunde“ ist der zweite Fall für Kirchhoff und Bodenstein. Nachdem die Kommissare bei „Eine unbeliebte Frau“ viel Zeit auf einem Luxusreiterhof verbringen, verschlägt es sie mit ihrem neuen Fall in den Zoo. Im Heu für die Elefanten wird eine abgetrennte menschliche Hand gefunden. Die ist Auslöser für umfangreiche Ermittlungen in einem Mordfall.

Der zur Hand passende Körper wird auf mehrere Gehege im Zoo verteilt gefunden und zusammengesetzt, bis schließlich der charismatische Lehrer Hans-Ulrich Pauly entsteht. Beziehungsweise seine Leiche. Pauly war engagierter Umweltschützer, von seinen Schülern und Mitstreitern glühend verehrt und von seinen Feinden abgrundtief gehasst. Mordmotive gibt es in ausreichender Zahl. Bodenstein und Kirchhoff ermitteln mit der ihnen eigenen Sorgfältigkeit und Ruhe, aber auch einer guten Portion Intuition. Das finde ich ganz sympathisch, zumal beide sehr unterschiedliche Charaktere sind und ihr Bauchgefühl eher selten übereinstimmt.

In ihrem Aufbau ähnelt die Geschichte stark dem ersten Fall: Es tauchen ständig neue Verdächtige auf, die nach kurzer Zeit wieder entlastet werden. Ich kam gar nicht richtig mit und habe irgendwann fast den Überblick verloren bei den ganzen Namen. Wie so oft, wenn ich Krimis lese, fällt mir auch hier eine Zusammenfassung schwer. Ich muss das mal untersuchen lassen – warum behalte ich nichts von dem, was ich gelesen habe, obwohl ich so großen Spaß beim Lesen habe? Kann in diesem Fall aber auch an der unübersichtlichen Personage liegen, weiß ich nicht.

Sehr gut im Gedächtnis geblieben sind mir allerdings die Schnitzer, die ein Lektor hätte ausbügeln müssen. Ich alte Erbsenzählerin. So was bleibt hervorragend bei mir hängen. Ich hatte schon beim ersten Fall erwähnt, dass der Lektor ein paar Mal gepennt hat, habe aber gehofft, dass nach dem Erfolg ab dem zweiten Fall Schluss damit ist. Weit gefehlt. Tatsächlich lese ich zurzeit schon den dritten Fall und kann versprechen: Es wird sogar noch schlimmer mit den Fehlern.

Um mal ein Beispiel zu nennen: Zu Beginn wird Lehrer Pauly charakterisiert als eine Art Fortschrittsverweigerer, der noch nicht einmal ein Handy hat. Als die Kommissare dann an Paulys Schule auftauchen, um den Kollegen mitzuteilen, dass Pauly tot ist, erfahren sie, dass der Lehrer unentschuldigt fehle und noch nicht einmal auf seinem Handy erreichbar gewesen sei. Ebenfalls schwierig: Nachdem die Hand gefunden wurde, wird gleich ein Mordfall aufgemacht und nach einer Leiche gesucht. Tatsächlich kann ein Mensch auch ohne Hand ganz gut weiterleben. Ein Gerichtsmediziner müsste doch erst mal feststellen, ob die Hand post mortem abgetrennt wurde.

Whatever. Das alles hat mich zwar gestört, aber offenbar nicht so sehr, dass ich die Kommissare Bodenstein und Kirchhoff aufgegeben habe. Wie bereits erwähnt lese ich zurzeit den dritten Fall der beiden. Der allerdings könnte eine Wende bedeuten. Denn – wie ebenfalls bereits erwähnt – hier gibt es noch mehr Fehler. Und ich bin erst bei der Hälfte angelangt. Für „Mordsfreunde“ kann ich trotz meiner Meckerei eine Leseempfehlung aussprechen.

Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert

Trixi von Bülow "Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert"
Trixi von Bülow „Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert“

Der Buchtitel und ein vielversprechender Anfang haben meine Kaufentscheidung beeinflusst. Im Prolog von „Ich wünsche mir, dass endlich mal was Schönes passiert“ sitzt die Ich-Erzählerin, Friederike Berger, mit ihrer Freundin Johanna am Meer. Sie spürt mit großer Erleichterung, dass endlich einmal Stille in ihrem Kopf herrscht – und beschreibt damit einen Zustand, den ich mir selbst oft herbeiwünsche. In der Retrospektive erfahren wir, was denn alles dazu geführt hat, dass „Fritzi“ diese Auszeit am Meer benötigt. Und danach was im Anschluss daran passiert.

Ich habe schon während der ersten 60 Seiten eifrig Leseempfehlungen ausgesprochen, weil ich begeistert war und mich festgelesen hatte. Im Laufe der Lektüre ging meine Begeisterungskurve allerdings steil nach unten. Trixi von Bülow hat durchaus gute Momente. Sie hat einen guten Stil – allerdings nur zeitweise. Die Geschichte ist ansprechend und hat mich berührt – allerdings nur am Anfang. Und zwischendrin noch ein zwei Mal ganz kurz. Der Rest hätte auch in einem Romanheftchen vom Bahnhof stehen können.

Ebenso ging es mir mit Fritzi. Hin und wieder fand ich sie toll. 40 Jahre alt, geschieden, eine Tochter, gute Freunde. Eigentlich ganz selbstbewusst im Job – sie ist Lektorin – aber immer wieder völlig verunsichert von den normalen Dingen des Alltags. Das fand ich sympathisch. Eine Identifikationsfläche. Bis sie mit ihren 40 Jahren auf so einen 29-jährigen Surflehrer hereinfällt, der alles flachlegt, was nur lange genug stillhält. Wobei: Sie fällt mehr auf sich selbst und ihre Phantasie herein, denn der Typ macht ihr eigentlich keine großen Hoffnungen. Also: Ganz nüchtern und nicht verliebt von außen betrachtet zumindest war die Sache völlig klar. Wie auch immer. Sie benimmt sich wie eine 15-jährige und der Junge bricht ihr das Herz.

Nach dieser gescheiterten Affäre stürzt sie sich in die nächste Beziehung, die ebenfalls zum Scheitern verurteilt ist. Diesmal mit einem 64-jährigen mehr väterlichen Typ. An dieser Stelle bekommen wir Leser für meinen Geschmack viel zu viele Informationen über den Einsatz von Viagra und Ähnlichem. Das sollte die Geschichte wohl humoristisch auflockern, hat mich aber nur genervt. Ich habe tapfer weitergelesen bis schließlich das kam, was kommen musste: Fritzis Erkenntnis. Die Erkenntnis dessen, was eigentlich wichtig ist im Leben und was man alles loslassen kann und wer für das eigene Glück verantwortlich ist und wie man sein Leben führen kann, um unabhängig, sich selbst treu und froh zu sein (und zu bleiben). Und dass man Männern nicht hinterherlaufen soll. Und an der Stelle, an der Fritzi dann alles loslässt und alles beherzigt, was sie erkannt hat, stellt sich was von ganz alleine ein? Na? Richtig geraten! Das Glück. In Form eines Mannes. Natürlich.

In meiner eigenen Retrospektive kann ich nur schwer verstehen, wie ich anfänglich so begeistert sein konnte von einem Roman, der sich am Ende als seichte Frauenliteratur (sorry) mit extrem schwachem weil heftig an den Haaren herbeigezerrtem Happy End entpuppt hat (für das sich die Autorin im Nachwort auch noch rechtfertigt). Eine Leseempfehlung kann ich nicht mehr aussprechen.

Die Betäubung

"Die Betäubung", Anna Enquist
„Die Betäubung“, Anna Enquist

Das Buch ist mir mehr zufällig in die Hände gefallen. Ich war eigentlich schon auf dem Weg zum Ausgang der Buchhandlung, enttäuscht darüber, keinen neuen Lesestoff gefunden zu haben. Es war einmal mehr der Anfang des Klappentextes, der mich angesprochen hat: „Die einen stürzen sich in die Arbeit, um sich abzulenken, andere verlieren den Boden unter den Füßen. Können wir den Verlust eines geliebten Menschen wirklich jemals verwinden?“ Eine Frage, die mich dieses Jahr selbst umtreibt. Vielleicht war es ein wenig die Hoffnung, endlich eine Antwort zu bekommen. Auf jeden Fall hab ich nicht groß weitergelesen, sondern bin gleich zur Kasse marschiert.

Wir lernen Drik de Jong kennen, einen Psychotherapeuten, dessen Frau wenige Monate zuvor nach schwerer Krankheit gestorben ist. Und wir treffen Driks Schwester Suzan, Anästhesistin, welche die beiden durch die Zeit des Abschiednehmens begleitet hat. Suzan ist verheiratet mit Peter, seines Zeichens der beste Freund von Drik und Psychiater. Die Berufe der drei sind entscheidend für die Handlung, darum erwähne ich sie. Drik hat aufgehört zu arbeiten, während seine Frau im Sterben lag. Jetzt, ein paar Monate nach ihrem Tod, nimmt er seine Arbeit wieder auf: Er behandelt den Psychologiestudenten Allard, der von Peter sozusagen an ihn überwiesen wurde. Für eine Lehrtherapie.

Allard sorgt für reichlich Unruhe. Vermutlich kann er nichts dafür. Aber er ist mir so was von unsympathisch, dass ich ihm gern die Schuld für das Auseinanderbrechen der einzelnen Personen geben möchte und ihm tatsächlich einen gewissen Vorsatz unterstelle. Allard bringt zunächst Drik an den Rand der Verzweiflung: Er kommt einfach nicht an ihn heran. Immer, wenn Drik glaubt, etwas verstanden zu haben und ihm näher zu kommen, macht Allard wieder dicht. Im Laufe der Therapie beschließt Allard, seinen Job zu wechseln. Er möchte plötzlich nicht mehr Psychiater sondern Anästhesist werden und landet – natürlich – in der Abteilung von Suzan. Mit der er ein Verhältnis beginnt. Es ist nicht ganz klar, ob Allard weiß, in welchem Verhältnis Drik und Suzan zueinander stehen. Wie gesagt: Ich neige dazu, ihm einen Vorsatz zu unterstellen. Vielleicht ist es sein perfider Plan, die Familie auseinanderzureißen?

Als Allard in der Therapie von seinem Verhältnis zu Suzan erzählt, wäre das der Moment (oder: einer der vielen Momente) für Drik, die Behandlung abzubrechen. Er ist schließlich befangen. Stattdessen beschließt er, Allard weiter zu behandeln und lieber Suzan und ihren Mann Peter zu meiden, um nicht zwischen die Stühle zu geraten. Ab hier können wir regelrecht dabei zulesen, wie Drik mehr und mehr vereinsamt und ein waschechtes Alkoholproblem entwickelt. Auch Suzan, deren Perspektive wir Leser immer wieder einnehmen, verzweifelt mehr und mehr. Sie weiß, dass ihr heimliches Verhältnis mit einem Schutzbefohlenen nicht in Ordnung ist – sie ist Allards als Mentorin zugeteilt. Und dann zieht sich ihr Bruder von ihr zurück und sie versteht (im Gegensatz zu uns Lesern) nicht, wieso.

Allard richtet noch sehr viel mehr an (auch hier wird meine eindeutige Schuldzuweisung wieder deutlich). Aber ich möchte nichts davon verraten; die Überraschungseffekte sind wichtig für die Handlung. Wahrscheinlich ist er nur eine verletzte und verzweifelte Seele. Er verdient eher mein Mitgefühl. Aber mit ihm geht es mir wie mit Gargamel: Den konnte ich als Kind einfach nicht ertragen. Ich wollte bloß den Schlümpfen zuschauen, wie sie in ihrem Dorf leben und Spaß haben. Der Blödmann mit seiner fiesen Katze sollte sie in Ruhe lassen. Das gleiche denke ich von Allard: Wieso lässt er nicht einfach alle in Ruhe?

Ich habe ziemlich lange für das Buch gebraucht und war zwischendurch immer wieder versucht, es nicht zu beenden, sondern wegzulegen. Tatsächlich war es schwere Kost. Zum einen durch die Handlung, die vielleicht doch zu nah an mir dran war. Zum anderen durch die plastischen Schilderungen der Operationen. Ich bin da ein wenig zart besaitet und hab das ein oder andere Mal ganze Passagen übersprungen, weil ich die detaillierten Infos zum Beispiel über die Entfernung einer Gallenblase einfach nicht aushalten konnte.

Im Epilog habe ich erfahren, dass Anna Enquist, die Autorin, selbst Psychiaterin ist. Die Arbeit von Drik und Peter konnte sie dementsprechend gut beschreiben. Für ihr Buch hat sie an dem Projekt „Schriftsteller auf der Abteilung“ teilgenommen und eine ganze Weile in der Anästhesie verbracht. Dort konnte sie den Ärzten genau auf die Finger schauen. Wir bekommen also einen realistischen Blick hinter die Kulissen der Arbeit von Therapeuten und Ärzten. Das fand ich hochinteressant und überhaupt nicht langweilig – die Informationen sind nicht einfach schulmeisterlich eingestreut („Guck mal, was ich alles weiß!“) sondern tatsächlich ein wesentlicher Teil der Handlung. Manchmal halt ein wenig zu detailliert für meine Nerven.

Die Geschichte lässt mich bedrückt und desillusioniert zurück. Aber ich bin froh, sie gelesen zu haben, weil sie mich wirklich berührt und bewegt hat. Ich kann für „Die Betäubung“ auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen.

Der Insider

Als Fänin von Joe O’Loughlin und Vincent Ruiz habe ich natürlich auch „Der Insider“ gelesen. Beziehungsweise nein: Ich habe mir das Hörbuch heruntergeladen. Ich befürchte, das war ein Fehler. Ich war offenbar zu oft abgelenkt oder habe nicht richtig zugehört. Auf jeden Fall habe ich im Laufe der Geschichte den Überblick verloren. Es tauchen so viele Personen auf, die auf die eine oder andere Weise miteinander zu tun haben und deren Handlungen Einfluss auf die Handlung nehmen und überhaupt – ich war irgendwann draußen.

So viel habe ich zumindest verstanden: Michael Robotham hat hier einen hochkomplexen Fall gestrickt. Die Handlung springt zwischen verschiedenen Orten. An den verschiedenen Orten gibt jeweils andere Protagonisten. Am Ende gibt es ein spannendes Showdown. Na ja, spannend vermutlich, wenn man noch genau weiß, wer auf welcher Seite steht und wer zu wem gehört. Ich war wie gesagt raus. Es fühlte sich so an, als hätte ich die letzten 20 Minuten eines Tatorts angeschaut und vorher lediglich ein paar Live-Tweets dazu gelesen.

Ich habe beschlossen, das Hörbuch nächstes Jahr noch einmal anzugehen. Bis dahin habe ich alles vergessen und kann noch mal ganz neu anfangen. Und dann gibt’s auch ein Fazit von mir.

Eine unbeliebte Frau

Ich habe Nele Neuhaus gestern Vormittag in einer Literatursendung gesehen und fand sie sympathisch. Und während sie im Interview von der Protagonistin ihrer Krimis erzählte überlegte ich, warum ich die nicht kannte. So kam ich zu Pia Kirchhoff. Und zu ihrem Kollegen Oliver von Bodenstein. „Eine unbeliebte Frau“ ist der erste Fall, den die beiden gemeinsam lösen.

Die unbeliebte Frau ist Isabel Kerstner, Ehefrau eines Pferdetierarztes. Ihr Tod soll wie ein Selbstmord aussehen. Das tut er aber nicht. Kirchhoff und von Bodenstein erkennen schnell, dass der Frau gewaltsam ein Ende gesetzt wurde. Verdächtige gibt es dann auch jede Menge – denn die schöne Isabel war eine unbeliebte Frau. Geldgeil, skrupellos und egoistisch, immer auf das eigene Wohl bedacht, hat sie es sich mit vielen Menschen in ihrer Umgebung verscherzt.

Kirchhoff und Bodenstein ermitteln unaufgeregt und sorgfältig. Ich finde schön, wie vorsichtig und unaufdringlich Frau Neuhaus mich mit dem Privatleben der beiden konfrontiert. An einigen Stellen hat wohl der Lektor gepennt. Das hat mich jetzt aber nicht weiter gestört. Ich war sehr überrascht, als der Fall nach noch nicht einmal 4 Stunden Lesezeit schon aufgeklärt war. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich will auch gar nicht so viel darüber schreiben sondern lieber den nächsten Fall lesen.

Mein Fazit: Ein guter Zeitvertreib. Durchaus lesenswert.

Die Frau auf der Treppe

Hm. Der neueste Erguss von Bernhard Schlink ist überhaupt nicht meins. Er ging mir sogar tierisch auf den Keks. Das mag an der Stimme von Charles Brauer gelegen haben, dem ehemaligen Tatort-Kollegen von Manfred Krug (ich habe „Die Frau auf der Treppe“ als Hörbuch konsumiert). Vielleicht fand ich auch einfach die Geschichte blöde. Oder die Protagonisten. Oder es kam einfach alles zusammen.

Ich mochte den Ich-Erzähler zum Beispiel überhaupt nicht. Ein älterer Jurist. Unemotional, überlegt, steif, völlig humorlos und – vor allem, was seine erste große Liebe angeht – total naiv. Er erzählt uns von eben dieser großen Liebe, die inzwischen 40 Jahre zurückliegt. Irene. Er lernt sie in jungen Jahren kennen, weil ihr Mann und ihr neuer Lebensabschnittgefährte miteinander um ein Bild – und gleichzeitig um Irene – streiten. Irene ist auf dem Bild dargestellt. Beide Männer wollen sie. Auf die eine oder andere Art. Unseren Ich-Erzähler schalten sie als Rechtsbeistand ein.

Long Story short: Der Ich-Erzähler verliebt sich furchtbar in Irene. Sie klaut das Bild und verlässt alle drei Männer. Sie taucht unter und erst 40 Jahre später wieder auf. In einer verlassenen Bucht, wo sie in einem halb verfallenen Haus so eine Art Einsiedlerleben führt. Das Bild, das 40 Jahre lang mit ihr verschollen war, wird in der Art Gallery von Sidney ausgestellt und führt somit die Herren zu Irene (die genau das mit der Ausstellung des Bildes erreichen wollte) und damit alle wieder zusammen. Irene ist inzwischen todkrank und hat nicht mehr viel Zeit. Ihre letzten Wochen / Tage will sie nutzen, um – ja. Um was zu tun? Keine Ahnung.

Ich finde diese Zusammenkunft furchtbar konstruiert. Vermutlich geht es darum, aufzuzeigen, wie der Ich-Erzähler sich wandelt. Von diesem unemotionalen, überlegten, stocksteifen, humorlosen und naiven Anwalt hin zu einem Menschen, der kritisch auf sein Leben zurückblickt und plötzlich Gefühle entwickelt und ständig heult. Erinnerte mich stark an die Entwicklung, die Homo Faber durchmacht. Aber nicht annähernd so gut. Braucht es dafür so eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte? Hm… Ok, die brauchte es bei Homo Faber ja auch. Trotzdem war mir der sehr viel lieber.

Ich mochte sie alle nicht: Den Maler nicht, den Ehemann nicht, Irene nicht, den Anwalt nicht. Alle unsympathisch. Alle humorlos. Alle gealtert ohne sich entwickelt zu haben. Die plötzliche Entwicklung des Anwalts innerhalb weniger Tage empfinde ich darum als unglaubwürdig. Achtung, Spoiler-Alarm: Irene verschwindet am Ende einfach. Vermutlich ist sie ertrunken, aber ihre Leiche wird nicht gefunden. Es kann also sein, dass sie, ihrer schweren Krankheit zum Trotz, doch noch lebt. Das macht mir Angst. Ich hoffe, Schlink kommt nicht auf die Idee, eine Fortsetzung zu schreiben. Mein Fazit: So überhaupt gar nicht lesenswert. Nein.

Schweinskopf al dente

Ein (für mich) neuer Provinzkrimi mit Kommissar Franz Eberhofer. Gleich zu Beginn lerne ich, dass Eberhofer bisher gar nicht Kommissar war. Er hat erst jetzt seine silbernen Sterne (die im rechten betrachtet Licht sogar golden schimmern) und damit den Dienstgrad des Kommissars erhalten. Na gut. Ich ändere das in den Rezensionen zu „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ jetzt aber nicht mehr ab.

Ich fand es zunächst wieder ausgesprochen witzig, dem Eberhofer bei der Arbeit und dem ganzen Kram, den er sonst so anstellt, zuzulesen. Er ist auch wirklich ein seltsamer Vogel. Der Fall – für mich – mal wieder Nebensache. Allerdings gibt es auch keinen wirklichen Fall. In aller Kürze: Der Bügermeister Moratschek wird bedroht und zieht darum beim Eberhofer seinem Vater (sic!) ein. Die beiden hören die Beatles und die Stones und der Eberhofer ist genervt.

Nebenbei passieren die üblichen Bescheuertheiten: Der Leopold und die Sushi kommen regelmäßig zu Besuch. Leopold schleimt, die alte Schleimsau. Die Sushi lernt sprechen. Mit dem Ludwig wird die tägliche Runde in neuen Rekordzeiten absolviert (sowohl ein neuer Negativ- als auch ein neuer Positivrekord werden aufgestellt). Die Oma geht auf Schnäppchenjagd und kocht hervorragend. Die Susi fehlt dem Eberhofer… Das Übliche eben.

Ein fieser Nachgeschmack ist mir diesmal aber geblieben. Ich finde den Eberhofer inzwischen ziemlich unsympathisch, nachdem er seine ganzen Vorurteile über eine türkische Familie, die im Dorf wohnt, abgelassen hat. Und über den „typischen Italiener“. Und über alle möglichen anderen Themen. Und ich finde es beschissen, dass Rita Falk mich mit seinen Vorurteilen allein lässt – die im Übrigen nichts zur Handlung beitragen. Der Eberhofer ist ihre Erfindung. Und wenn der so eine Scheiße über Ausländer vom Stapel lässt, dann will ich, dass er dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Für mich geht es überhaupt nicht in Ordnung, Ausländerfeindlichkeit und widerliche Vorurteile als „charmante Eigenart eines eigensinnigen Sturkopfs aus Bayern“ abzutun. Und darum hab ich beschlossen, dass ich ab jetzt keine Zeit mehr mit dem Eberhofer verbringen möchte. Seine nächsten Fälle muss er ohne mich lösen. Wenn ich so einen Mist lesen will, kann ich mir ja die Bild-Zeitung kaufen. Ist auch billiger. Mein Fazit lautet dementsprechend: Nicht lesenswert.

Die Dilettanten

Ich hab nicht lange durchgehalten. „Die Dilettanten“ von Michael Hingston ist so dilettantisch geschrieben, dass ich es nach wenigen Kapiteln weggelegt habe. Der Klappentext klang ganz gut, die Geschichte interessant: Eine Studentenzeitung wird durch die Einführung einer Gratiszeitung bedroht. Ich hab vermutet, dass es um die nicht aufhaltbaren Veränderung der Medienwelt geht, die Entwicklung von (Medien-)Konsumenten zu Prosumenten und so weiter. Vielleicht geht es auch genau darum. Aber das werde ich wohl niemals herausfinden.

Der Schreibstil ging mir tierisch auf den Keks. Der Autor schien mit jedem Satz auf der Jagd nach einem Like, Fav oder einer anderen Zustimmungsbekundung zu sein. Ich hätte ihm kein Like oder Fav gegeben. Und auch keine andere Zustimmungsbekundung. Vielleicht bin ich einfach zu alt für das Buch. Aber damit kann ich leben. Wenn jung sein heißt, dass ich meine Zeit mit Dilettanten verbringen muss, dann bin ich lieber alt.

Mein Fazit: Leider nein, leider gar nicht. Nicht lesenswert.