Die Zeit, die Zeit

Ach, Herr Suter… Von Ihnen hab ich mir schon was anderes erwartet! Nach einem vielversprechenden Anfang, der wirklich neugierig und Lust auf mehr macht, dreht die Geschichte „Die Zeit, die Zeit“ völlig ab und ist nur noch nervig.

Es geht um zwei Männer, Nachbarn, deren Frauen verstorben sind. Beide kommen nicht mit ihrem Verlust zurecht, können nicht mit der Vergangenheit abschließen und nicht loslassen. Sie verbringen ihre Zeit damit, die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die Zeit stehengeblieben sei: der eine isst jeden Tag das gleiche wie damals, an ihrem Todestag. Der andere sorgt dafür, dass die Bäume in seinem Garten immer genauso aussehen wie am Todestag seiner Frau. Und die Bäume in den Nachbargärten. Und überhaupt… Und dann treffen sie sich. Und merken, wie ähnlich sie sich in ihrem bestreben sind. Bis dahin: alles gut.

Dann beginnt Suter, langweilige Vorträge über Theorien zur Zeit zu halten – die legt er seinen Protagonisten in den Mund. Da ich kein Interesse an diesen Theorien habe, habe ich diese Absätze übersprungen. Neugierig darauf, wie die Geschichte weitergeht. Die Theorien sind mir schon bescheuert genug, aber was dann losgeht ist kaum auszuhalten: die beiden Herren beginnen, den 11. Oktober 1991 nachzubauen – in der Hoffnung, dass die Ehefrau des einen wieder zurückkommt. Oder erscheint. Oder sonst was – ich versteh das einfach nicht.

Während ich zum Einen die ganze Zeit mit Kopfschütteln beschäftigt bin – wie kann der Autor die beiden so ernst in ihrem Vorhaben nehmen, dass er einfach akribisch die Akribie beschreibt, mit der sie vorgehen? – stelle ich mir zum Anderen die ganze Zeit Fragen. Alles muss exakt so aussehen wie am 11. Oktober 1991. Jeder Kniff in irgendwelchen Kissen, die Farben der Stecknadelköpfe in irgendwelchen Nadelkissen… Aber was ist, wenn 1991 ein Kaugummi auf der Straße geklebt hat, der jetzt nicht mehr da klebt? Und selbst wenn man einen neuen hinklebte: er enthielte eine andere DNS…

Ich habe zwar bis zum Ende durchgehalten, aber ich kann das Buch niemandem empfehlen. Echt bescheuerter Scheiß, gekrönt von einem total bescheuerten Ende.